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Der kleine Mann im Bauch | Stückbeschreibung | Presse
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Nordkurier / Kultur
Do 29.10.2009
Wieder-Geburt mit Liebe von Susanne Schulz

Premiere: Das Puppenspiel "Der kleine Mann im Bauch" ist in neuer Fassung auf der Probebühne des Schauspielhauses so schön und verzaubernd wie einst.

Neubrandenburg."Schön, wenn man sich auf einen verlassen kann", schwärmt die kleine Frau von ihrem großen Mann.
Verlassen kann sich das Publikum darauf, auf der Probebühne des Neubrandenburger Schauspielhauses stimmungsvolles Kindertheater zu erleben. Erst recht, wenn ein Erfolgsstück "zurückkehrt": Holger Friedrichs "Geschichte vom kleinen Mann im Bauch" - in der eine kleine Frau in die Welt ziehen muss, um drei "unüberwindliche Gefahren" zu bannen - gehörte in den 90er-Jahren zu den schönsten und populärsten Inszenierungen des Kammertheaters.
Mit den Puppen von damals, dazu neuen Kostümen und neuem Bühnenbild für eine neue Generation kleiner Zuschauer haben die Spielerinnen Beate Biermann und Ute Kotte es nun wiederbelebt - und wieder ist es schön und verzaubernd. Dazu braucht es so wenig: Vor allem die von innen beleuchtete Kiste, aus der Haus und Schloss, Teich und Wiese wachsen. Dazu Puppen aus Schaumstoff, die nicht einmal Namen haben: Drache und König, Hexe und Zauberer, kleine Frau und großer Mann genügen als Identifikationsangebote.
Erst recht weil sie so prägnant charakterisiert sind in Puppenbau, Körpersprache und Stimmführung: Der schlaksige große Mann zum Beispiel mit den zwei linken Händen, der so?n bisschen lebensuntüchtig wirkt neben seiner taffen kleinen Frau im weißen Kleidchen (ganz weite Abschweifung: Wer die Münsteraner "Tatort"-Folgen liebt, mag sich an Christine Urspruch als Gerichtsmedizinerin Alberich erinnert fühlen). Oder der Zauberer Zanko-Zanko, der sich wie ein zynischer Lehrer gebärdet, wenn er der kleinen Frau droht: "Das schaffst du! du! du! auf keinen Fall?"
Liebenswert ist die Lebenshaltung, die hier unaufdringlich und liebevoll vermittelt wird, im Kontrast der Empfindungen: "Da freut man sich auf eine Sache, dann gibts wieder Ärger", resigniert der große Mann am ewigen Kreislauf des Lebens, worauf die kleine Frau folgerichtig fortsetzt: "Und dann freut man sich wieder!"
Denn auf ihrer abenteuerlichen Reise wird sie nicht nur mit Gefahren konfrontiert, sondern mit unglücklichen Geschöpfen: "Mir kann keiner helfen", glauben sie alle. Doch die kleine Frau kann, mit ihrer Liebe und ihrem festen Vertrauen in das Gute. Das steckt an, das springt über, das bleibt haften bei den Zuschauern, die diese Wieder-Geburt des kleinen Mannes mit langem freudigem Beifall feiern.

mit Beate Biermann | Ute Kotte | Regie: Holger Friedrich