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Operngala "Liebeserklärung" | Stückbeschreibung | Presse
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Nordkurier / Kultur
Mo 18.05.2009
Musikalische Liebeserklärung von Michael Baumgartl

Und Vorhang auf… Bei der Operngala verwandelte sich das Landestheater Neustrelitz wie von Zauberhand in die Mailänder Scala — ein bisschen.

Fest für die Ohren. Präzise vorbereitet, opulent inszeniert, gekonnt gesungen: Die Operngala in Neustrelitz hatte den großen Schlussbeifall mehr als verdient.

Neustrelitz. Vorhang auf! — Und schon sitzt man im Teatro alla Scala in Milano. Vergessen der Platz im Großen Haus des Landestheaters Neustrelitz. Man blickt auf die Bühne, wo sich vor den staunenden Augen die Illusion des riesigen rotgoldenen Zuschauerraums der Scala entfaltet. Davor die Neubrandenburger Philharmonie, die unter der Leitung von Mark Rohde mit der spannungsvoll musizierten Egmont-Ouvertüre von Beethoven auf einen ungewöhnlichen Musiktheaterabend einstimmt.

Und dann betreten die Stars des Opernensembles den roten Teppich, die musikalischen Gäste und der Opernchor, den Gotthard Franke präzise vorbereitet hat. So präsentiert sich die Operngala der Theater und Orchester GmbH unter dem Titel "Liebeserklärung". Eine Liebeserklärung übrigens der Sänger an ihre Wunschpartien, wovon keine im laufenden Repertoire zu hören ist! Und eine Liebeserklärung des Theaters an seine Opernfreunde, die zur festlichen Premiere am Samstagabend mit unzähligen Bravo-Rufen aufgenommen wurde.

Was für ein opulentes Opernfest! Da kann man die Stimmen besonderer Gäste erleben, die bekannte Arie "Ombra mai fu" aus der Händel-Oper "Xerxes" mit dem jungen Altus Randall Scotting in beseelt ausgebreiteter Ruhe, oder das virtuose Couplet der Puppe Olympia aus Hoffmanns Erzählungen von Offenbach, bravourös gesungen und gespielt von Silja Schindler.

Ja, gespielt! Denn man sollte keinen konzertanten Arienabend erwarten. Intendant Ralf-Peter Schulze hat, auch wenn der Kenner in Gedanken von Verdi zu Weill, von Mozart zu Meyerbeer und Monteverdi springen muss, eine szenische Einrichtung geschaffen, die jede Darbietung in ihrer opernhaften Umgebung belässt. Zauberische Flammen, rauchende Kanonen, aus der Tiefe der Versenkung herauffahrendes Volk bieten dem Auge Kurzweil und Überraschungen, und ganze Abteilungen verschiedenster Opernausschnitte werden in logische szenische Zusammenhänge gefasst. Das macht nicht nur das Hören, sondern auch das Zuschauen interessant.

Dennoch kann es dem Zuschauer in solch einem Kaleidoskop kaum gelingen, zu Opernhelden in dramatischen Situationen wie Andrea Chenier in Giordanos gleichnamiger Oper oder Cavaradossi in Puccinis "Tosca" eine innere, mitleidende Beziehung zu finden. Mit kraftvollem Tenor und ausdrucksstarker Hingabe zeigte Francisco Almanza die beiden Helden vor ihrer Hinrichtung. Man genießt Stimme und Ausdruck, zur tiefen Ergriffenheit aber fehlt doch die spannende Dramaturgie der ganzen Oper.

Bei dem ausgedehnteren Ausschnitt aus Meyerbeers Oper "Le Prophète" mit Wiedertäufern und Volk allerdings gelingt das Eintauchen dank der hochdramatischen Musik, der mitreißenden Intensität der Solisten Matthias Ehm, Stefan Livland und Norman D. Patzke sowie des kraftvollen Auftritts des Chores. Und es gelang auch in dem berührenden Duett der Sopranistin Susanne Ellen Kirchesch mit dem Altus Randall Scotting aus der Geburtszeit der Oper mit Monteverdis "L‘incoronazione di Poppea". Wie es im Text heißt: "Nur dich umfange ich, nur dich umschlinge ich," so umschlingen sich die beiden herrlichen Stimmen in diesem Duett.

Der Gesamteindruck der Gala ist großartig, längst nicht alles kann genannt werden. Nur noch die Zugabe der berühmten Arie des Prinzen Kalaf "Nessun dorma" aus Puccinis "Turandot", mit der Francisco Almanza das Publikum zu Beifallsstürmen hinriss.

Chorleitung Dr. Gotthard Franke mit Robert Merwald| Andrés Felipe Orozco | Alban Lenzen  |  Niclas Oettermann  |  Opernchor / Extrachor  |  Neubrandenburger Philharmonie  |  MODERATION: Susanne Ellen Kirchesch und Stefan Livland  |  SZENISCHE EINRICHTUNG: Ralf-Peter Schulze