REPERTOIRE   Spielzeit 2018/2019
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Nordkurier / Kultur
Do 15.02.2018
Und die Kostüme, die sind opulent! von Susanne Böhm

Gauner Mackie Messer, Bettlerchef Jonathan Peachum und viele andere bekannte Gestalten bevölkern die Neustrelitzer Theaterbühne. Bertolt Brechts bekanntestes Stück mit den Welthits von Kurt Weill hat am Sonnabend Premiere.

Die „Dreigroschenoper“ feiert am Sonnabend, dem 17. Februar, um 19.30 Uhr im Landestheater in Neustrelitz Premiere.

Das Stück ist Bertolt Brechts wohl bekannteste Theateraufführung. Einige Lieder von Kurt Weill wie „Die Moritat von Mackie Messer“ wurden Welthits. Bis heute erfreut sich die „Dreigroschenoper“ offenbar ungebrochener Beliebtheit. Die Premiere ist bis auf zwei Restplätze ausverkauft.
Regisseur Rainer Holzapfel, Musikalischer Leiter Frank Obermair, Kostümbildnerin Lisa Brzonkalla sowie die Dramaturgen Katrin Kramer und Chantal Obermair haben sich in Neustrelitz zusammen mit dem Schauspielensemble dieses Paradestücks des epischen Theaters angenommen. Gespielt wird klassisch Brechts „Theater im Theater“ – und das wie eine Revue im Zirkusrund. Auf der Bühne steht eine hölzerne Drehscheibe, die die zentrale Spielfläche ist. „Die Scheibe ist eine Zirkusarena, eine Jahrmarktsbühne, die Weltscheibe, eine Arena, in der sich die Menschen strecken müssen, um sich über Wasser zu halten“, so Rainer Holzapfel. Durch Vorhänge und Beleuchtung wird der Eindruck einer Jahrmarktsbühne verstärkt.
Das Bühnenbild ist gewollt schlicht gehalten. Um so ausgefallener sind die Kostüme, ein Kontrast zum neutralen Bühnenraum. 17 Kostüme von Rokoko bis in die 20er-Jahre haben Lisa Brzonkalla und ihr Team angefertigt. „Das sind relativ wenig Teile. Umso detaillierter konnten wir sie gestalten“, so Lisa Brzonkalla. „Passend zum Zirkusrund der Bühne kommen groteske Zirkusfiguren daher, sehr bunt, sehr farbenfroh. Die Herren sind dick und ausstaffiert, das soll die Bürgerlichkeit darstellen. Sie müssen aber trotzdem durch Reifen springen“, erklärt die Kostümbildnerin. „Die Damen tragen Bonbonkleider, in denen sie auch mal wie Furien aufeinander losgehen. Die Huren tragen üppige Gewänder mit künstlichen, nackten Brüsten und Marionettenbeinen.“
Die Arbeit mit dem Team am Neustrelitzer Theater habe Spaß gemacht. „Es war fantastisch. Es kommt sehr selten vor, dass Darsteller sich für Kostüme bedanken. Eine Schauspielerin kam zu mir und sagte, sie fühle sich richtig sexy. So spielt es sich natürlich viel besser. Es war mir eine große Freude, das zu tun.“ Die Weill‘schen Songs spielt das kleine Orchester, „Die Dreigroschenband“, zu der neun Musiker gehören. Die Hits tragen mindestens so viel zum Erfolg des Stücks bei wie das Geschehen auf der Bühne.
Der Mensch möchte gut sein, aber kann es nicht...
John Gays „Beggar’s Opera“ wurde im Jahr 1728 in London uraufgeführt. Zusammen mit Elisabeth Hauptmann erarbeitete Bertolt Brecht aus dem Stoff „Die Dreigroschenoper“, die 1928 in Berlin Premiere hatte.
Und so beschrieb Brecht sein Werk: „Das Publikum wird eine Oper für Bettler sehen. Weil diese Oper so prunkvoll gedacht war, wie nur Bettler sie erträumen, und weil sie doch so billig sein sollte, dass Bettler sie bezahlen können, heißt sie ‚Die Dreigroschenoper‘. „Der Bettlerkönig Jonathan Peachum organisiert die Londoner Bettler und macht damit großen Gewinn. Sein großer Rivale ist Macheath, der sich auf die Gaunerei verlegt hat. Daher ist Peachum ungehalten darüber, als seine Tochter Polly ausgerechnet Macheath heiratet. Peachum schwört Rache und hetzt seinem Schwiegersohn die Londoner Polizei auf den Hals. Als Macheath in den Flitterwochen die Londoner Huren aufsucht, wird er verhaftet. Sein alter Freund und Polizeichef Tiger Brown kann ihm auch nicht mehr helfen, Macheath soll hingerichtet werden.
„Die Figuren sind aus dem Leben gegriffen mit ihrer Prallheit, ihrer Direktheit, ihren Sehnsüchten“, sagt Rainer Holzapfel. „Das Publikum wird erschrecken über das Verhalten der Menschen. Der Mensch ist nicht moralisch. Er möchte gut sein, kann es aber nicht, weil die Verhältnisse so schlecht sind.“ Wer nicht aufpasst, wird gefressen, denn der Haifisch, der hat Zähne ...

Musikalische Leitung Frank Obermair Regie Rainer Holzapfel Ausstattung Lisa Brzonkalla Dramaturgie Katrin Kramer| Chantal Obermair mit Christoph Deuter| Michael Goralczyk| Karin Hartmann| Sven Jenkel| Anika Kleinke| Alexander Mildner| Thomas Pötzsch| Fabian Quast| Josefin Ristau| Dirk Schmidt| Lisa Voß| Isolde Wabra | Tara-Daphne Bethke   |   Lothar Missuweit   |   Gabriele Thomann   |   Martha-Luise Urbanek   |   DREIGROSCHENBAND: Karola Elßner, Clemens Erdmann, Margaretha Hafner-Akazawa, Lothar Hensel, Christoph Keck, Frank Obermair, Sidney Pfnür, Daniel Schulz, Edgar Strack   |   Bühne: Rainer Holzapfel   |   Choreografie: Gabriele Thomann