REPERTOIRE   Rückschau
WIE EINST IM MAI _ Festspiele im Schlossgarten Neustrelitz | Stückbeschreibung | Presse
preview Fotoauswahl (1-13) + Film



Nordkurier_Kultur
So 08.07.2018
Eine sommerliche Romanze mit frecher Berliner Schnauze von Robin Peters

Die Operette hielt die Zuschauer nicht auf den Sitzen. Die Premiere der Festspiele im Neustrelitzer Schlossgarten überraschte mit nostalgischem Charme und prominenten Gästen.
Unvergessliche Open-Air-Unterhaltung geht auch ohne Krawall-Effekte. Das hat das Musiktheater Ensemble auf den diesjährigen Festspielen im Schlossgarten Neustrelitz eindrucksvoll bewiesen. Mit Ohrwurm-Evergreens und Tänzen von schwebender Leichtigkeit hat die Premiere von „Wie einst im Mai“ das Publikum in ihren Bann gezogen.
Bei zahlreichen Liedern haben die Zuschauer unentwegt mitgeklatscht. Zum Finale hat es niemanden auf dem Platz gehalten. Stehende Ovationen rundeten den Abend voll nostalgischem Berliner Charme ab.

Einfacher Arbeiter und Adlige unsterblich verliebt
Dabei fußt die bittersüße Operette von Walter und Willi Kollo auf einer tragischen Geschichte: Der einfache Arbeiter Fritz Jüterbog (Bernd Könnes) und die Adlige Ottilie von Henkeshofen (sehr wandlungsreich: Lena Kutzner) haben sich in Berlin unsterblich ineinander verliebt. Doch ihre Klassenunterschiede treiben die beiden auseinander.
Sie heiraten andere Partner, bekommen schließlich Kinder. Über Jahrzehnte hinweg treffen sie immer wieder aufeinander. Doch die Liebe kann erst in einer späteren Generation die sozialen Differenzen überwinden.

Leichtigkeit durch irrwitzige Wortspiele
Klingt kitschig, ist es aber bei Weitem nicht: Die Inszenierung strahlt mit frecher Berliner Schnauze und irrwitzigen Wortspielen eine Leichtigkeit aus, der sich der Zuschauer schwer entziehen kann. Die Neubrandenburger Philharmonie unter Leitung von Panagiotis Papadopoulos legt eine außergewöhnliche Performance hin. Für reizende Hingucker sorgt die Deutsche Tanzkompanie Neustrelitz.
Bernd Könnes fängt mit seinem Gesang den Zeitgeist der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts perfekt ein. Überaus komisch: Andrés Felipe Orozco als ewiger Frauenheld Stanislaus von Methusalem. Mit außerordentlicher Spielfreude schafft er Lacher und Schwung gleichermaßen. Außerdem hervorzuheben: Viola Zimmermann spielt eine herrlich absurde Femme fatale.

Plakatierung verändert sich in den Jahrhunderten
Das Bühnenbild ist gewohnt liebevoll ausgestaltet – wirkt zuweilen aber etwas leer. Regisseur Reinhardt Friese hat sich bewusst für eine dezente Ausstattung des Hintergrunds entschieden: „Das hat das Stück nicht nötig“, sagt Friese. Es sei ohnehin eine starke Geschichte.
Die teils großen Zeitsprünge müsse der Zuschauer unbedingt mitbekommen. „Wir wollen davon nicht ablenken.“ Dennoch erfreuen einige kleine Details auch Zuschauer, die gerne genauer hinschauen: So verändert sich in den gespielten Jahrzehnten mitunter die Plakatierung der typisch berlinerischen Litfaßsäulen. Die Darsteller wechseln so oft ihre Kleider, dass sich die rund 200 Kostüme kaum zählen lassen.

Fulminantes Feuerwerk am Nachthimmel
Mit gesellschaftskritischen Anspielungen wird auch nicht gegeizt: Die Aristokratie lässt lieber das Geld für sich arbeiten, als auch nur einen Finger zu krümmen. Und die kleinen Bauern sehen einer dunklen Zukunft entgegen.
Mit etwa 1000 Zuschauern war die große Bühne am Premieren-Abend gut gefüllt. Das fulminante Feuerwerk am Nachthimmel begann noch während der letzten Gesangseinlage – eine Reizüberflutung.
Überraschend: Neben der regionalen Politprominenz wohnten dem Spektakel einige Ehrengäste bei. Die Familie Kollo – Nachfahren der Komponisten – saß an einem kleinen Tisch vor der Tribüne.
Die Festspiele im Schlossgarten Neustrelitz zeigen die Berliner Operette „Wie einst im Mai“ mit Musik von Walter und Willi Kollo. Die nächsten Vorstellungen finden am 12. und 13. Juli statt. Auch am Tag des Nordkurier am Samstag, den 14. Juli. Alle Termine und Karten unter www.theater-und-orchester.de.



johngroves_postoffice.de
Fr 06.07.2018
Fröhlichste aller Berliner Operetten von John Groves

Neustrelitz ist eine kleine (22.000 Einwohner), historische, schöne, charmante, ruhige Stadt, inmitten der Seen nördlich von Berlin. (Für britische Leser: Können Sie sich vorstellen, dass eine britische Stadt dieser Größe ein festes Theater mit Schauspiel-, Tanz- und Musiktheater-Ensembles hat, welches fast das ganze Jahr über auftritt?). 'Diese Stadt hat ein Theater' verkündet ein großes Schild, wenn man den Bahnhof Neustrelitz verlässt. Und in der Tat, es gibt eine Open-Air-Operette jeden Sommer im riesigen Garten des ehemaligen Schlosses, das nicht mehr da ist! In diesem Jahr war es das Werk "Wie Einst im Mai" von Walter und Willi Kollo, bekannt als "Maytime" in seinen verschiedenen englisch / amerikanischen Versionen. Ein bekanntes Werk vielleicht, aber heute selten inszeniert, was sehr schade ist, denn es ist eine der fröhlichsten aller Berliner Operetten, die schon 1913 entstanden ist. Hier wird die Neufassung von 1943 aufgeführt. Die Handlung, so wie sie ist, bedient sich des 'Liebe-durch-die-Generationen' - Layouts, das auch in Bitter Sweet, Drei Walzer, Perchance to Dream etc. zum Einsatz kommt, und die Autoren durch ein sentimentales Panorama von Berlin in sieben Szenen von 1838 bis 1943 nach Berlin reisen lässt.
Das Theater Neustrelitz kann sehr glücklich sein, einen Regisseur zu haben, der Operette zu inszenieren weiß: Reinhardt Friese. Er war in der Lage, der gesamten Produktion Energie und Tempo zu geben, um sicherzustellen, dass der Dialog nie unterging und immer wieder amüsant war, dass der riesige Spielbereich gut genutzt wurde und dass musikalische Nummern nahtlos in den Dialog ein- und aus ihm herausflossen. Die Regie hatte eine Leichtigkeit des Herangehens, die dafür sorgte, dass es in den ganzen drei Stunden der Show nie einen 'langweiligen Moment' gab. Wenn nur mehr Operettenregisseure diese Sicherheit hätten. Vielleicht könnte Herr Friese Meisterklassen für solche Regisseure geben, die nur DENKEN, dass sie wissen, worum es bei der Operette geht!
Die gesamte Besetzung wurde mit dem Ensemble des Theaters realisiert, eine großartige Leistung, da alle ausnahmslos in ihren Rollen perfekt waren!
Bernd Könnes, der die Handlung als Fritz, ein Schlosser in seinen Zwanzigern, beginnt, beeindruckte als Zsupan im letztjährigen Der Ziegeunerbaron. In diesem Jahr hat er das Vertrauen und den Stil, der für die Operette benötigt wird, bewiesen, und er kann leicht und mühelos die Bühne erobern. Die verschiedenen (alternden!) Rollen, die er spielt, sind alle glaubhaft und amüsant, seine attraktive Stimme kann bei Bedarf mühelos in die Höhe schweben.
Lena Kutzner als Ottilie (später Tilly) ist amüsant, zum Beispiel in der ersten Szene um ihren sechzehnter Geburtstag, als sie das 'verwöhnte Balg' spielt und Kakteen als Geschenke von all ihren Freunden bekommt! Sie hat eine wunderschöne Stimme und ist wiederum sehr glaubwürdig, wenn sie älter und schließlich ihre Enkelin wird.
Stanislaus von Methusalem, der die einzige Figur ist, die sich durchweg selbst zeigt, beendet die Handlung im reifen Alter von 105 Jahren, immer noch in der Lage, eine frenetische Gavotte zu tanzen, obwohl sie an einen Rollstuhl gebunden ist! Er wird von Andrés Felipe Orózco mit Begeisterung gespielt, der offensichtlich älter wird! Seine Darstellung ist sehr lustig, seine Stimme ist der Rolle überaus angemessen.
Viola Zimmerman als Mechthilde, Ottilies alte Gouvernante in der ersten Szene und später eine jugendliche Angostura muss gut tanzen und singen können. Ihre Szenen mit Stanislaus sind einige der vielen Höhepunkte des Abends: Wie der Rest des Ensembles hat sie eine grandiose Vitalität.
In der Tat gibt es keine Schwachstelle in dieser Besetzung und ich schließe den Chor und den Extrachor ein. Ebenso die Statisterie und vor allem die Deutsche Tanzkompanie Neustrelitz, die alle von der Regisseurin und Choreografin Barbara Buser phantasievoll eingesetzt werden.
Annette Mahlendorf hat entsprechend aufwändige und prächtige Kostüme entworfen, die das Publikum durch eine über 100-jährige Geschichte führen. Viele zeigen große Vorstellungskraft, wie die für Angostura, und die Perücken (Juliane Stolz) für alle genannten Rollen, die ihnen helfen, anmutig zu 'altern'! Ihr Bühnenbild ist sehr einfallsreich und stellt sicher, dass die drei Spielbereiche klar sind, dass es verschiedene Ebenen gibt, um Interesse zu wecken, und dass das Publikum über die Entwicklung der Zeit informiert ist, wie es der Handlung entspricht!!
Das immer hervorragende Orchester wird von GMD Panagiotis Papadopoulos dirigiert, der als Grieche die deutsche Operette sehr eigenartig gefunden haben muss! Aber sein Schlag und das Spiel des Orchesters haben eine spielsichere Leichtigkeit, die mehr als nur unterstützt, was auf der Bühne passiert.
„Wie Einst im Mai“ ist die dritte Sommeroperette, die ich in Neustrelitz gesehen habe und ist möglicherweise die bisher beste! Das Publikum der Premiere, bei der der Ehrengast René Kollo, Willis Sohn, zugegen war, stimmte dem zu. Die Produktion erhielt spontan und verdientermaßen Standing Ovations. Es ist mehr als wert, einen EasyJet-Flug nach Berlin zu buchen, und eine 75-minütige Bahnfahrt nach Neustrelitz, um es zu sehen !!! Sehr empfehlenswert.
Eine der empfehlenswertesten Aufnahme ist die mit René Kollo als Fritz, geleitet von Peter Falk. Es gibt keinen Dialog, aber die CD enthält die meisten Musiknummern. Es wurde 1994 von EMI aufgenommen.
Zukünftige Operetten in Neustrelitz sind das Johann-Strauß-II-Pasticcio 'Wiener Blut' im charmanten schönen kleinen Theater im Herbst 2018 und Kalmans 'Die Bayadere' im Sommer 2019


Nordkurier
Di 03.07.2018
Schlossgarten-Festspiele Operetten-Premiere von Susanne Böhm

Am Freitag wird die Operette erstmals auf dem Schlossberg in Neustrelitz aufgeführt. Das Stück ist für alle Beteiligten eine Herausforderung.
Am Freitag feiern die diesjährigen Festspiele im Schlossgarten in Neustrelitz Premiere. Dann wird die Operette „Wie einst im Mai“ erstmals auf dem Schlossberg aufgeführt. Die Kostüme sind seit Tagen fertig, die letzten Proben laufen, und am Bühnenbild sind noch kleinere Handgriffe vorzunehmen.
Reinhardt Friese, Intendant des Theaters Hof, hat sich für die Schlossgartenfestspiele losgeeist und die Regie in Neustrelitz übernommen. Als künstlerischer Leiter des bayerischen Vierspartenhauses hat er kaum Zeit für Gastinszenierungen, aber für die größten Operettenfestspiele Deutschlands macht er eine Ausnahme. „Es ist das erste Mal seit vier Jahren, dass ich gastiere. Mich hat das Stück interessiert, ich mag das Haus, arbeite gern mit Neustrelitz zusammen, und ich mag die Freiluftbühne.“
Publikum in guter Erinnerung
Vor Jahren inszenierte er in Neustrelitz mit großem Erfolg die Musicals „La Cage aux folles“ und „Evita“. Nicht zuletzt sei ihm auch das Publikum in Neustrelitz in guter Erinnerung. „Ich habe das Publikum enthusiastisch und begeisterungsfähig erlebt. Die Leute waren offen, unvoreingenommen und gewillt, sich zu amüsieren. Die Sänger und Darsteller bekommen alles mit, was im Publikum passiert. Auf sie wirkt die Stimmung in Neustrelitz motivierend, auch die letzten paar Körnchen aus sich heraus zu holen.“
Dass die Theaterleitung in diesem Jahr das Stück „Wie einst im Mai“ ausgewählt hat, hält Reinhardt Friese für eine „kluge Entscheidung. Man hätte es sich einfacher machen und einen der großen Titel nehmen können. Stattdessen bietet man dem Publikum ein Stück an, das nicht schon 40 Mal gesehen wurde. Ich bin der Überzeugung, dass es eine Riesenshow wird, sehr temporeich und humorvoll. Wenn es uns gelingt, das Publikum zu berühren, wenn die Leute lachen aber auch eine Träne im Knopfloch haben, dann bin ich glücklich.“
Auch das Bühnenbild ist eine Herausforderung
In der romantisch-anrührenden Zeitreise von 1850 bis 1930 durch die Geschichte Berlins verliebt sich Schlosserlehrling Fritz Jüterbog (Bernd Könnes) in die Adlige Ottilie von Henkeshoven (Lena Kutzner). Diese erwidert seine Liebe, aber ihre Eltern sind voller Standesdünkel, die es ihnen nicht erlauben, dass sich Adel und Proletariat miteinander verbinden. Fritz sucht sein Glück in Amerika. Er kehrt als reicher Mann zurück. Bei einem Ball begegnen sich Fritz und Ottilie und erinnern sich an alte Zeiten. „Als Regisseur steht man oft vor der Frage, ob man ein Stück modernisieren sollte. Bei diesem Stück kam das nicht infrage, denn es ist eine Zeitreise. Es gibt aber viele Parallelen. Standesdünkel und Menschen, die ich für besser halten, gibt es heute genauso. Die gute alte Zeit wird in dem Stück mit einem gehörigen Fragezeichen versehen. Bei aller Nostalgie und Heimatverbundenheit gibt es dennoch keine Verklärung. Es ist unkitschig, nicht sentimental.“

Musikalische Leitung: Panagiotis Papadopoulos|Daniel Stratievsky  |  Regie: Reinhardt Friese  |  Ausstattung: Annette Mahlendorf  |  Choreographie: Barbara Buser  |  Dramaturgie Lür Jaenike  |  MIT: Ryszard Kalus| Lena Kutzner| Bernd Könnes| Robert Merwald| Sebastian Naglatzki| Andrés Felipe Orozco| Laura Scherwitzl| Viola Zimmermann | Christoph Deuter| Lothar Dreyer | Opernchor, davon solistisch: Luise Hansen, Andreas Hartig, Markus Kopp, Bernd Richert, Verena Schuster | Deutsche Tanzkompanie Neustrelitz | Neubrandenburger Philharmonie | Extrachor | Statisterie