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TülliKnülliFülli | Stückbeschreibung | Presse
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NORDKURIER / Kultur
Mo 11.03.2013
Die Schweine haben Schwein gehabt von Frank Wilhelm

Beate Biermann und ihre Figuren ziehen das Publikum mit Charme und Witz, Gewandtheit und Schlagfertigkeit in ihren Bann.
Tülli, Knülli und Fülli sind nicht die schlauesten Borstenviecher. Doch gerade deshalb erobern sie gemeinsam mit Beate Biermann in der neuesten Inszenierung der Märchenkammer die Herzen von Jung und Alt.

Lilly rutscht aufgeregt hin und her. Von ihrem Stuhl in der Probebühne des Schauspielhauses wechselt sie auf den ihres Vaters. Hinter ihm stehend schaut die Fünfjährige aufmerksam zur Bühne, ruft aufgeregt dazwischen. Kurz danach sitzt sie wieder auf ihrem eigenen Stuhl. Doch der Blick ist aufmerksam auf Tülli, Knülli und Fülli gerichtet. Die drei Schweinchen stehen vor der schweren Aufgabe, sich ein Haus zu bauen – als Schutz vor dem Regen und insbesondere vor dem Wolf, dem Bösewicht in dem Stück „TülliKnülliFülli“.

Von Anfang an zieht die puppenspielerfahrene Schauspielerin Beate Biermann das Premieren-Publikum im ausverkauften Saal in ihren Bann. Mit der ersten Szene, als sie das Schweine-Trio zärtlich, aber resolut wie eine Mama mit Sonnencreme einreibt – von den Ohren bis zum Schwänzchen –, hat sie die Lacher auf ihrer Seite. Beate Biermann bezaubert die Besucher mit Charme und Witz, Gewandtheit und Schlagfertigkeit. Natürlich reagieren vor allem die kleinen Kinder viel impulsiver als die Erwachsenen, die sich im Theater im Griff haben.

„Und was ist hinten?“ ruft ein Mädchen laut, als Fülli sein Steinhaus fast fertig hat. Nur eine Zehntelsekunde stutzt Beate Biermann. „Da hinten ist die Hintertür." Sie muss selbst kurz lächeln und spielt unbeirrt weiter. Die Puppen-Virtuosin ist halt ein Profi, der aber nie in langweilende Routine verfällt. Der Dialog mit den Kleinen im Publikum mache ihr am meisten Spaß, wird sie nach dem reichlichen Applaus am Ende sagen. Da mache es nichts, wenn sie zum Finale des Stücks nicht alles gespielt habe, was vorgesehen war. Doch auch die beste Improvisation kann nur funktionieren, wenn das Grundgerüst des Stückes steht, die Dramaturgie stimmt. Dafür garantiert Regisseurin Lisa Augustinowski.

Viele kleine und große Ideen sorgen für Kurzweil

Auch wenn Beate Biermann gemeinsam mit den Puppen agiert, es deutlich zu sehen ist, dass sie die Schweine, den Wolf oder den Vogel führt, verselbstständigen sich die Figuren irgendwann. Als Knülli plötzlich hoch oben auf dem Dach seines Holzhauses sitzt, scheinbar unerreichbar für Beate Biermann, ruft sie nach ihm: „Komm doch, Knülli, komm in meine Arme!“ Man hätte sich nicht gewundert, wenn das Schweinchen plötzlich gesprungen wäre. Es sind viele kleine und große Ideen, die für Kurzweil sorgen: Der Wolf wird in einem alten Kinderstuhl auf die Bühne gefahren, was ihm sofort etwas Infantiles, Beschränktes gibt. Am Tag der ersten Besprechung zum Stück sah Ausstatter Stefan Spitzer den Stuhl im Sperrmüll. „Da setzen wir den Wolf rein, dachte ich sofort.“ Spitzer gestaltete nicht nur für das gleichermaßen phantasievolle wie raffinierte Mobiliar auf der Bühne, sondern auch für die Puppen. Während Beate Biermann ihren Knülli ins Herz geschlossen hat, dürfte auch das kurzatmige Schneckchen viele Fans gewonnen haben.
Lassen wir Lilly das abschließende Urteil fällen: „Welche Figur hast Du am meisten gemocht?“ – „Alle!“ „Und wie fandest Du das Stück?“ – „Schön!“


Nordkurier / Neubrandenburger Zeitung
Fr 08.03.2013
Drei Häuschen am Ostseestrand von Susanne Schulz

Mit viel Grün und viel Naturmaterial hat Puppenspieler und Bühnenbildner Stefan Spitzer die Bühne für die drei kleinen Schweinchen „TülliKnülliFülli“ ausgestattet.

An die Küste versetzt Bühnenbildner Stefan Spitzer das Kinderstück „TülliKnülli Fülli“, das morgen in der Märchenkammer des Schauspielhauses Premiere hat.
Von den drei kleinen Schweinchen, ihren Häusern aus Stroh, aus Holz, aus Stein und ihren Abenteuern mit dem hungrigen Wolf hat fast jedes Kind schon mal gehört. Fast: Der Berliner Puppenspieler und Bühnenbildner Stefan Spitzer lernte erst während seines Studiums an der Schauspiel-Hochschule „Ernst Busch“ die Geschichte von „TülliKnülliFülli“ kennen, die sein Professor Horst Hawemann aus einem alten englischen Märchen gezaubert hatte. Nun wird sie ab morgen in der Märchenkammer des Neubrandenburger Schauspielhauses aufgeführt – gespielt von Kindertheater-Könnerin Beate Biermann, in Szene gesetzt von Regisseurin Lisa Augustinowski, bühnenbildnerisch gestaltet von Stefan Spitzer.
Zum ersten Mal arbeitet Spitzer nun an diesem Stück, zum ersten Mal auch ist er zu Gast am Schauspielhaus. Vom Spiel mit Sprache und Material lebt die bezaubernde Geschichte, die in der Märchenkammer mit viel Grün und vielen Naturmaterialien daherkommt. „Wir hätten es auch in einen Wald versetzen können, aber mehr noch reizte uns, es am Ostseestrand anzusiedeln“, erzählt Stefan Spitzer.

Im Puppenspieleralltag gern alles aus einer Hand

Im thüringischen Hermsdorf hatte er zunächst eine Höhere Berufsfachschule für Gestaltung absolviert, bevor er nach Regie- und Ausstattungsassistenzen am Puppentheater der Stadt Gera und am „Theater des Lachens“ in Frankfurt/Oder das Studium in Berlin aufnahm. Seit mehr als drei Jahren ist er nun als freier Puppenspieler, Puppenbauer, Bühnenbildner und Schauspieler tätig.
Dass in seinem Fach häufig Spiel und Ambiente aus einer Hand kommen, gehört auch für Stefan Spitzer zum Berufsalltag. In Neubrandenburg nun für eine Produktion „nur“ für die Ausstattung verantwortlich zu sein, beschert ihm „ein bisschen ein weinendes Auge“. Allerdings liebt er seinen Beruf derart, dass auch diese Arbeit „eben anders, aber anders schön“ ist.
Regisseurin Lisa Augustinowski – die er seitlangem und aus vielen gemeinsamen Produktionen kennt – habe ihm freie Hand gelassen. Vorgegeben waren natürlich „drei Schweinchen, drei Häuser und ein Wolf“. Wenn auch das Häuschen aus Stroh einfach weggepustet und jenes aus Holz zerfetzt wird – hinter den steinernen Wänden halten „TülliKnülliFülli“ zusammen gegen den grauen Räuber, zum Vergnügen und zur Ermutigung ihres jungen Publikums.

Regie Lisa Augustinowski Ausstattung Stefan Spitzer mit Beate Biermann