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Königin Luise | Stückbeschreibung | Presse
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Anzeigenkurier Neubrandenburg
Mi 07.07.2010
„Preußische Madonna“ erobert erneut die Herzen von M. Jansen

Neustrelitz (AK/rmj). Neustrelitzer Schlossgarten. Ein Sommerabend wie aus dem Bilderbuch. Rund 1500 erwartungsvolle Zuschauer auf den Rängen. Und dann kommt sie in einer Kutsche, mit Jubel begrüßt: Königin Luise von Preußen. So begann am Freitagabend die Neuinszenierung des im Jahre 2001 bei seiner Uraufführung gefeierten Operetten-Pasticcios "Königin Luise - Königin der Herzen". Wohl der Fußballweltmeisterschaft war es geschuldet, dass viele Plätze auf der Zuschauertraverse leer blieben.

Sicher war der eine oder andere auch skeptisch gegenüber einer Wiederaufführung. Aber wie bei allen Neuinszenierungen kommt auch hier ein ganz neues Stück auf die Bühne, und so verpasste manch einer den opulenten Bilderbogen, mit dem die Schlossgartenfestspiele Neustrelitz in ihrem10. Jahr als einzige Festspiele in Deutschland der Preußischen Königin Luise zu ihrem 200. Todestag (sie starb am 19. Juli 1810 in Hohenzieritz) ihre Reverenz erweisen.

Zu erleben sind Rückblenden auf entscheidende Stationen des bewegten Lebens der mecklenburgischen Prinzessin und späteren Königin von Preußen, die schon zu Lebzeiten als Ikone der Natürlichkeit, Sanftmut und weiblichen Courage galt und noch heute vielfach als "Preußische Madonna" verehrt wird. Ihr Besuch in Neustrelitz bildet die Rahmenhandlung und lässt einen Hauch von Authentizität durch den Schlossgarten wehen.

Spontaner Beifall

Zum achten Mal übernahm Wolfgang Lachnitt, der sich als "Geburtshelfer der Schlossgartenfestspiele" sieht und bereits die Ur-Fassung der Luise-Operette überaus erfolgreich inszeniert hatte, die Regie bei der Schlossgarten-Inszenierung. Er präsentiert ein gemeinsam mit Horst Vincon (Autor) und Christoph Dammann (Idee und Dramaturgie) überarbeitetes und musikalisch ergänztes Stück.

Charme und Gefühl, aber auch die Melancholie erhalten mehr Raum, werden in frische Bilder gefasst und verleihen damit der ursprünglichen Luise-Operette ein teilweise neues Gewand.Neue Gewänder erhielten auch die Darsteller. Über 200 neue wunderschöne Kostüme wurden geschneidert und machen einen entscheidenden Teil des Schauwertes dieser Schlossgarten-Inszenierung aus (Kostüme: Stephan Stanisic).

Die einzigartige Schlossgartenkulisse wird ergänzt durch eine farblich mutig gestaltete Säulendekoration (Bühnenbild: Bernd Franke). Nicht wegzudenken sind die mit schwarzen Pferden bespannten Kutschen und die Reiterei (Reiterhof Zachmann), die vom Publikum immer wieder mit spontanem Beifall bedacht werden, am Premierenabend allerdings wegen der Trockenheit nicht nur die Bühne, sondern auch die Zuschauer in eine große Staubwolke hüllten.

Die Neubrandenburger Philharmonie unter der Stabführung von Romely Pfund lässt die bekannten und weniger bekannten Melodien von Johann Strauß, Jacques Offenbach, Carl Millöker u. a. in bewährter Operettenmanier erklingen, wobei der Dirigentin die schwierige Aufgabe zufällt, Darsteller und Orchester sozusagen im musikalischen Blindflug (weil kein Augenkontakt) zusammenzuführen. Leider ließ die Tontechnik streckenweise die Musiker und Sänger im Stich.

Neue BesetzungGegenüber der Uraufführung sind alle Partien neu besetzt. Tonje Haugland, die während der Probenarbeit die Partie für die erkrankte Regine Sacher übernahm und bereits 2004 "königliche" Erfahrungen sammeln konnte ("Königin Luise - eine Königin tanzt"), bezaubert mit ihrem Charme und ihrer wunderbaren Stimme und gewinnt die Herzen des Publikums bereits bei ihrem Einzug. Einen attraktiven, zur Premiere stimmlich nicht ganz sicheren König Friedrich Wilhelm III. bringt Alexander Geller auf die Bühne.

Robert Merwald (sehr textverständlich) als charismatischer Zar Alexander und Fabian Egli als selbstbewusster Napoleon I. erfüllen ihre Figuren mit Leben, verwechseln nur leider Engagement und Emotion mit gegenseitigem Anschreien. Rebekah Rotha, die stimmlich (und beim Biertrinken!) gut mit ihrer Gesangspartnerin Tonje Haugland harmoniert, ist eine entzückende Schwester Friederike, und Dieter Köplin als Luises liebevoll-besorgter Vater ganz zauberhaft.

Carin Schenk-Schmidt gibt eine couragierte, strenge und dennoch verständnisvolle Oberhofmeisterin Gräfin Voß. Susanne Ellen Kirchesch und Andrés Felipe Orozco als Zofe Betty und Page Achim überzeugen zwar gesanglich, wirken aber als Buffopaar im Stile von Harlekin und Kolumbine aus der Commedia dell'arte etwas deplaciert. Hier fehlt die mecklenburgische Bodenständigkeit. Was tut's? Dem Publikum gefällt's.

Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Tanzkompanie (Choreographie: Mirko Mahr) erweist sich wieder mal als großer Gewinn für den Schauwert der Festspiele. Opernchor und Extrachor des Landestheaters (Einstudierung: Gotthard Franke), die Komparserie und Kleindarsteller sowie das immer wieder beliebte und mit viel Beifall bedachte Feuerwerk im Finaltableau runden den großartigen Gesamteindruck ab.

Alles in allem ist sowohl eine gediegene Jubiläumsinszenierung für die Schlossgartenfestspiele als auch eine Hommage an Königin Luise mehr als gelungen. Lang anhaltender Beifall, Bravorufe und Getrampel auf der Zuschauertraverse waren der verdiente Lohn. Das Programmheft lässt die vergangenen erfolgreichen neun Jahre der Schlossgartenfestspiele Revue passieren.


Nordkurier _ Kultur und Freizeit
Mo 05.07.2010
Apart gewürzte Pastete von Peter Buske

Zackig marschiert die herzogliche Garde den Schlossberg herab. Reiter hoch zu Ross umrunden im Galopp die stilisiert-malerische Szenerie aus Treppenterrassen, Torsi von Säulenkolonnaden und Sitzbänken. Alles täuschend steinecht (Bühnenbild: Bernd Franke). Allmählich belebt sich das Spielterrain und das Auge bekommt viel zu sehen. Fast wie vor zehn Jahren, als das Operetten-Pasticcio "Königin Luise - Königin der Herzen" die Schlossgartenfestspiele eröffnete. Nun erlebte es im Luisen-Jahr, wo es ihres 200. Todestages zu gedenken gilt, am Freitag eine optisch nicht minder opulente Neuinszenierung durch den Uraufführungsregisseur Wolfgang Lachnitt.

Neu in diesem mit vielen rassigen Balletteinlagen nicht sparenden Spektakel (Deutsche Tanzkompagnie/Choreografie: Mirko Mahr) ist ein erweitertes Vorspiel, in dem die legendäre Preußenkönigin per verbalem Lobpreis zurück ins (Bühnen-)Leben gerufen wird. Am historischen Orte, was der episodenhaften Geschichte entsprechende Authentizität verleiht. Und wieder fährt Luise, die am Ende ihrer Tage noch einmal zu ihrem Papa Herzog Carl II. (sehr glaubwürdig in landes-väterlicher Attitüde: Dieter Köplin) zurückkehrt, zweispännig im Landauer vor. Ihr geliebter Fritz, König Friedrich Wilhelm III. (adrett, spielcharmant, politisch durchaus realitätsnah: Alexander Geller), kommt auch für einige Tage hierher. Gemeinsam erinnert man sich in Rückblenden an wichtige Lebensstationen wie Memel, Berlin, Bad Pyrmont und Tilsit. Es wird viel geritten an diesem dreistündigen Abend, wofür der Reiterhof Zachmann gutmütige Kaltblüter ausgewählt hat, die sich durch kein noch so turbulentes Bühnengeschehen aus der Ruhe bringen lassen. Auch Zar Alexander I. (gut aussehend, liebesfeurig und spontan, berechnend bis abweisend: Robert Merwald) wählt diese Anreisevariante.

Alles, auch die prächtigen, originalnahen Gewänder der Protagonisten (Stephan Stanisic) nur reizvolle Staffage? Mitnichten, denn auch sie dienen der textüberarbeiteten und gestrafften Handlung. Nunmehr kann man das spektakelfröhliche Pasticcio als eine rundum gelungene, apart gewürzte Pastete genießen. Ihre weitgehend unbekannten musikalischen Zutaten stammen von Johann Strauss, Jacques Offenbach, Franz von Suppé, Carl Millöcker und Walter Kollo. Text und Musik gehen dabei Hand in Hand, besser: Spiel und Kehle. Taktschlägerisch hält Romely Pfund die Zügel fest in der Hand, lässt die Neubrandenburger Philharmonie schwungvoll und gefällig musizieren.

Unser aller Luise findet in Tonje Haugland eine bildhübsche, tiefgründiger als früher angelegte und stärker im Mittelpunkt des Geschehens stehende, lebenslustige, trinkfeste, tanzfreudige und diplomatisch geschickte, kurzum: eine ausstrahlungsstarke und wandlungsfähige "Wiedergängerin", die gleichermaßen vorzüglich singen, sprechen und tanzen kann. Herrlich unkompliziert zeigt sich Rebekah Rota als Luisens Schwester Friederike. Obwohl stets auf Etikette bedacht, ist Carin Schenk-Schmidt als Oberhofmeisterin Gräfin Voß kein höfischer Hausdrachen, sondern eine verständnisvolle, an Luisens Gesundheit denkende Begleiterin.

Mit witzigem Offenbach-Couplet tritt Fabian Egli als Napoleon auf, der sich später im leidenschaftlichen Verbalringen um Preußens Besitzungen nach verlorenem Krieg als fast paranoider Eroberer gebärdet. Für's buffoneske Gegengewicht sorgen Susanne Ellen Kirchesch (Zofe Betty) und Andrés Felipe Oroczo (Page Achim), beide witzige Pumuckl-Figuren. Als Staatsdichter Heinrich von Kleist deklamiert Conrad Nicklisch einen peinlichen Hymnus auf das preußische Herrscherhaus, dem sich das von allen angestimmte Hohelied auf MV und Neustrelitz anschließt. Nicht erst hier erweist sich der Zusammenschluss von Opern- und Extrachor des Landestheaters (Einstudierung: Gotthard Franke) als exzellent singende und spielfreudig agierende, jubelfreudige "Stimme des Volkes". Dem sommersaisonalen Tourismusevent fällt reichlicher Bravobeifall zu.

Nächste Vorstellungen: 9., 16., 17., 23., 24. und 31. Juli (20 Uhr), 11. und 18. 7 (15 Uhr), 25.7. und 1.8. (18 Uhr), Schlossgarten Neustrelitz


NK_Neustrelitzer Zeitung
Fr 25.06.2010
Park-Proben im Wechselbad der Gefühle von Susanne Schulz

Traumrolle vor Traumkulisse: Tonje Haugland singt diesen Sommer im Schlossgarten die Königin Luise

Noch nie hat Tonje Haugland vor einer Premiere ein solches Wechselbad der Gefühle erlebt wie jetzt bei den Proben für die Operette "Königin Luise - Königin der Herzen" im Neustrelitzer Schlossgarten. Da ist zum einen die Begeisterung für das Stück, mit dem die zehnte Saison der Schlossgartenfestspiele begangen wird; zum anderen Traurigkeit über die Umstände, deretwegen die Norwegerin die Titelrolle bekam: Eigentlich war ihre Kollegin und Freundin Regine Sacher für die Partie vorgesehen, die sie schon beim Festspieldebüt 2001 gesungen hatte. Doch als sie zwei Wochen nach Probenbeginn erkrankte, musste schnell eine Alternative gefunden werden. Tonje Haugland, längst ebenfalls ein Neustrelitzer Publikumsliebling, konnte nicht lange überlegen: "Um elf bekam ich den Anruf, um eins war die erste Probe", erinnert sie sich an jenen Tag. "Man hätte mich nicht zehn Minuten später fragen dürfen." Ist doch im Vergleich zur Operette "Eine Königin tanzt", in der sie selbst 2004 die Luise sang, eine ungleich größere Rolle zu bewältigen: "Sie singt und redet, singt und tanzt, singt und redet, ist die ganze Zeit präsent", erzählt die Sängerin. Die "phantastische Zusammenarbeit" mit Regisseur Wolfgang Lachnit und der Musikalischen Leiterin Romely Pfund half, den Probenvorsprung der Kollegen aufzuholen. Vor neun Jahren war die Geburtsstunde der Festspiele das erste Neustrelitzer Theatererlebnis für die junge Sängerin, die damals frisch diplomiert von der Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst kam. "Ich saß auf dieser Tribüne als kleines Küken und habe Regine bewundert", schwärmt sie. "Es wäre verrückt zu glauben, ich könnte sie ersetzen." Vielmehr wünscht sie sich das Verständnis des Publikums - umso mehr, als auch das Stück sie zum Schwärmen bringt. Auch wenn es den gleichen Titel trägt wie in der ersten Festspielsaison, komme eine neue Inszenierung auf die Bühne: "Wer glaubt, er habe diese Operette schon gesehen, wird sich irren."Neben der gestrafften Handlung und den musikalischen Leckerbissen von Johann Strauß, Franz von Suppé und Carl Millöcker begeistern sie auch Ausstattung und Kostüme: "Ich habe so schöne Kleider, die würde ich am liebsten alle privat kaufen..." Außerdem ist Tonje Haugland erstmals zu Pferde zu erleben. In all ihren Schlossgarten-Jahren - unter anderem als "Csardasfürstin", "Die lustige Witwe", als Ottilie im "Weißen Rössl" oder Rosalinde in der "Fledermaus" - habe sie den Intendanten immer wieder "bekniet", auch einmal reiten zu dürfen. Ihr Vater, dem sie die Begeisterung für Pferde verdankt, ist "hin und weg", dass es nun klappt, erzählt die Sopranistin, die sich in diesem Operettensommer auf den Besuch all ihrer norwegischen Verwandten freut. Auch dem hiesigen Publikum legt sie das Erlebnis wärmstens ans Herz: "Ist es nicht toll, dass in einer Stadt wie Neustrelitz ein solches Festival wachsen konnte?" Statt wie geplant mitten zwischen bis zu 2000 Zuschauern zu sitzen, wird sie nun also in der Jubiläumssaison - der letzten in der dieser Größenordnung, bevor im nächsten Jahr die Tribüne verkleinert und die Saison verkürzt wird - auf der traumhaften Park-Bühne stehen. "Regine und ich wissen, was das in einer solchen Rolle bedeutet", denkt sie auch in diesem Moment an die Kollegin, "aber das Publikum kann einen durch alle Ängste tragen."Matinee am Sonntag um 11 Uhr; Premiere am 2. Juli um 20 Uhr. Kartentelefon 03981 23930@!www.schlossgartenfestspiele.de

"Wer glaubt, er kenne diese Operette schon, wird sich irren."


Nordkurier_Neustrelitzer Zeitung
Di 02.02.2010
Neues Gewand für die Ur-Luise von Susanne Schulz

Neustrelitz. Wenn in diesem Sommer erneut "Königin Luise - Königin der Herzen" auf der Freilichtbühne im Neustrelitzer Schlossgarten das Publikum verzaubern will, sollte das Publikum auf keinen Fall einen Aufguss des Festspieldebüts von 2001 erwarten, verspricht Regisseur Wolfgang Lachnit. Die damalige Inszenierung sei gründlich überarbeitet worden und werde musikalisch wie auch optisch "in neuem Gewand" daherkommen.

Für Lachnit, der im zehnten Jahr der Schlossgartenfestspiele zum achten Mal als Regisseur verpflichtet wurde, schließt sich mit dieser Inszenierung ein Kreis - zumal die Zukunft des Spielortes noch immer nicht geklärt ist. Auf jeden Fall soll die Neuinszenierung jenen "Hauch von Identität", den die Einführung der Festspiele nach Neustrelitz brachte, aufleben lassen.

"Wir können aufbauen auf dem damaligen Stoff, wollen ihn aber neu lesen", kündigt Lachnit an. So soll zum Beispiel das private Verhältnis zwischen Luise und ihrem Ehemann Friedrich Wilhelm III. mehr Raum einnehmen. Zudem fügt Autor Horst Vincon den Prolog eines kleinen Mädchens hinzu, der auch die Beziehung zum Ort stärker hervorhebt. "Viele kleine, feine Ergänzungen machen das Ganze runder, kompakter, weniger schlaglichtartig als beim ersten Mal", sagt Lachnit. Opulenter werde das Pasticcio auch in tänzerischer Hinsicht durch die Mitwirkung der Deutschen Tanzkompanie sowie im musikalischen Repertoire.

Bis auf eine einzige Partie wird die Operette gegenüber der Uraufführung völlig neu besetzt: Publikumsliebling Regine Sacher singt wieder die Titelrolle. Für die damals von Dagmar Frederic verkörperte Gräfin Voß wurde diesmal Schauspielerin Renate Geißler verpflichtet bekannt unter anderem aus dem Film "Dach überm Kopf" und der TV-Serie "Märkische Chronik". Die weiteren Rollen werden aus dem Ensemble des Landestheaters besetzt, hinzu kommen wieder viele Statisten. "Zehn, zwölf Kleindarsteller sind schon von Anfang an dabei", betont der Regisseur.

Die Ausstattung soll erneut die Atmosphäre des Schlossgartens zur Geltung bringen. "Natürlich kann die Theater zaubern, aber was hier die Natur leistet, könnten wir künstlich gar nicht herstellen", schwärmt Lachnit, dem die Luise-Operette - damals seine erste Freilicht-Inszenierung - auch ein zutiefst persönliches Anliegen ist.

Regie Wolfgang Lachnitt Chorleitung Dr. Gotthard Franke mit Lothar Dreyer| Robert Merwald| Andrés Felipe Orozco | Dieter Köplin | Wanda Köplin  |  Neubrandenburger Philharmonie  |  Dramaturgie: Christoph Blitt