REPERTOIRE   Spielzeit 2017/2018
Eine schöne Bescherung | Stückbeschreibung | Presse | Karten bestellen
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Nordkurier, Kultur und Freizeit
Mo 10.12.2007
Flirt mit Feinripp zum Fest von Susanne Schulz

Neubrandenburg. "Una bella canzone" wirkt immer. Der Schmacht-Reißer, der im Neubrandenburger Schauspielhaus schon die "Sekretärinnen" des gleichnamigen Liederabends von den Tasten gerissen hatte, verfehlt seinen Effekt auch nicht bei der Installateurs-Interpretation in der Komödie "Eine schöne Bescherung", deren Premiere am Wochenende gefeiert wurde. Bis zum Weihnachtsabend steht das Lust-Spiel in drei Vorstellungsstaffeln en suite auf dem Programm und bringt die Vorverkaufskassen zum Glühen.
Dabei gibt, so könnte man meinen, die Handlung nicht viel her. Die schwäbische Autorin Monika Hirschle, von deren Erfolgsstück es auch eine plattdeutsche Version gibt, lässt einen "ganz normalen" Weihnachtstag Revue passieren: Die Heizung ist kalt, der Kühlschrank warm, die Gans im Eimer, der Baum eine Katastrophe, die Kinder zerstritten, die Oma zu früh und die Nachbarin permanent, Perfektion demonstrierend, zur Stelle. Genau diese auf die Spitze getriebene Wiedererkennungsflut macht den Erfolg der Komödie aus - und ein Schauspielerensemble, das unter der Regie von Intendant Ralf-Peter Schulze die Figuren wohl schallendem Gelächter, aber nicht der Lächerlichkeit preisgibt.
Vor allem die Eheleute mit dem kühlen Namen Eislein wärmen die Herzen: Mit Verve lässt sich Karin Hartmann auf die Spielweise des Genres ein. Komödiantische Tiefe gibt sie der Irmgard, die ihrem in Chefarzt-im-OP-Manier die Familie befehligenden Gatten mal widerspruchslos folgt, mal kräftig Kontra gibt, im richtigen Moment einfach ihren Kopf durchsetzt und im noch richtigeren beweist, dass die beiden letztlich "eingespielte" Liebende sind - etwa beim charmanten Tanz zu Staubsauger- Musik oder bei ihrer originellen Methode, dem Baum zu schmücken. Dietmar Lahaine - egal ob er den Pascha-Ton des Sippenoberhaupts genüsslich ausspielt oder, nur in Feinripp-mit-Eingriff gewandet, zum Flirt mit dem Publikum ansetzt - beherrscht die Kunst, Pointen auf den Punkt zu bringen. Erst recht gilt das für Maria Alexander, die mit Oma Klothildes hintergründiger Lebensweisheit Szenenapplaus erntet. Im heiteren Vertrauen auf den Wert der Familie findet sie sich einig mit Klempner Luigi, den Marcus
Ostberg als "typischen" Italiener mit Herz zelebriert.
"Das ist ja wie in der Fernsehwerbung!", kommentiert die etwas überspannte Tochter (Anne Kies) ein Satz, der durchaus für den gesamten Abend steht. Auch Ausstatter Hans Ellerfeld geht bei der von örtlichen Möbel-, Teppich- und Brillenanbietern gesponserten Inszenierung aufs Ganze mit hohem Identifikationsfaktor sowie liebenswerten Extras wie Irmgards weihnachtsbaumglitzerndem Festgewand samt schneeballigen Ohrbommeln.
Schließlich stürzt sich die Familie - vervollständigt durch Benjamin Griebel als in sympathischem Ausmaß pubertierender Nachwuchs, Johannes Stelzhammer als eckiger Schwiegersohn und Martina Block als herrlich penetrant wohlmeinende und besserwissende Nachbarin - ins Festessen, das dem Publikum akustisch als schwerterklirrende Schlacht erscheint. "Genau wie bei uns", mögen die einen feststellen; die anderen: "Zum Glück ganz anders"; und alle zusammen: "Könnte also alles viel schlimmer sein." Und vor allem: So lässt sich drüber lachen - und das Fest kann kommen.

Regie Ralf-Peter Schulze Dramaturgie Katrin Kramer mit Gabriele Borowy| Marco Bahr| Michael Goralczyk| Karin Hartmann| Dietmar Lahaine| Fabian Quast| Lisa Voß | Martina Block | Die Bühnenausstattung (Hans Ellerfeld) für dieses Stück wurde freundlicherweise von Möbelstadt Rück und Teppichhaus Knutzen zur Verfügung gestellt.