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Frau Luna | Stückbeschreibung | Presse
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Anzeigenkurier Neubrandenburg
Mi 16.07.2008
Legende vom Mann im Mond widerlegt von Anzeigenkurier

Umjubelte Operette im Neustrelitzer Schlossgarten

Neustrelitz (AK/rmj). Dass der Mann im Mond eigentlich eine attraktive Dame ist, weiß die Welt seit der Uraufführung der Operette "Frau Luna" von Paul Lincke im Jahre 1899. Der Berliner Mechaniker Fritz Steppke nämlich hat einen Expressballon konstruiert, in dessen Korb er mit seinen Freunden auf den Mond fliegt. Und es ist schon erstaunlich, was sich dort oben tut ...
Mit Klatschen, Trampeln, Jubel und Bravorufen feierte das Publikum am Sonnabendabend vergangener Woche im Schlossgarten die Premiere der diesjährigen Festspieloperette "Frau Luna". Nicht minder begeistert waren die Zuhörer dann beim Tag des Nordkurier am letzten Sonnabend (siehe auch Seite 8). Kein Wunder, gibt es mit dieser neuen Inszenierung (nun schon zum sechsten Mal im Schlossgarten dabei: Wolfgang Lachnitt) wieder eine Ideen sprühende, beschwingte Operette mit viel Wortwitz zu sehen und zu hören, in der sich ein Ohrwurm an den anderen reiht. Nicht nur die allbekannte "Berliner Luft", sondern auch "Lasst den Kopf nicht hängen", "Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe" und natürlich "Theophil, o Theophil, warum hast du mich kaltgestellt" begeistern auch heute noch die Zuschauer. Die Neubrandenburger Philharmonie bringt unter der Leitung des Operetten-erfahrenen Kapellmeisters Mark Rohde die spritzigen Melodien frisch und lebendig zu Gehör.
Wenn sich auch ein Großteil der Geschichte auf dem Mond abspielt, so ist die eigentliche "Hauptperson" natürlich Berlin. Aber wie könnte es bei den Neustrelitzer Festspielen anders sein - "Hauptperson" ist der Schlossgarten. In diesem Jahr konzentriert sich die Handlung auf einen zentralen Punkt um den Brunnen herum. Eine Berliner Stadtkulisse aus roten Gebäuden scheint im Park zu schweben, und wenn sich diese Kulisse öffnet, gibt sie den Blick auf eine silberne Revuetreppe frei, auf der sich das Mondpersonal tummelt. Ein Luftschiff, das am Turm der Schlossattrappe aufsteigt, ist nur einer der optischen Leckerbissen (Bühnenbild: Stephan Dietrich).
Eine Pracht sind die phantasievollen Kostüme (Stephan Stanisic), durch die der Unterschied zwischen Erd- und Mondbewohnern augenfällig wird. Begeisterung löst vor allem das schrille, prunkvolle Outfit der lunaren Truppe aus. Für die rund 150 Gewänder wurden Hunderte Meter Glitzer- und Pailettenstoff verarbeitet. Die Damen und Herren der Tanzkompanie, die diese Inszenierung besonders sehenswert machen (Choreografie: Mirko Mahr), dürfen in ihren teils witzigen, teils attraktiven Kostümen sehr viel Haut zeigen. Der vorzüglich einstudierte Opern- und Extrachor (Gotthard Franke) unterstreicht die Revue-Schaueffekte.
Garant für den Erfolg sind nicht zuletzt die spielfreudigen, engagierten Darsteller, die sich zu einem echten Varieté-Ensemble gemausert haben. Maria Mallé (als Gast) als möblierte Wirtin Mathilde Pusebach avanciert zum Publikumsliebling, weil sie offenbar die deftige, leicht ordinäre Berliner Art am überzeugendsten auf die Bühne bringt. Nicht ganz so gut gelingt das Nicholas Shannon (Fritz Steppke), der als Amerikaner mit dem Berlinern seine liebe Not hat. Das macht er aber durch sein quirliges Spiel und seinen flotten Gesang wieder wett. Ihm zur Seite stehen singend und tanzend Dieter Köplin (als sächselnder August Lämmermeier) und Bernd Gebhardt (als Pusebachs Dauerverlobter Wilhelm Panneke). Susanne Ellen Kirchesch singt und spielt die bodenständige Marie, die nicht mit auf den Mond fliegt ("Schlösser, die im Monde liegen ..."), sehr eindringlich. Die etwas überdrehten Mondleute, die rauschende Feste feiern, werden angeführt von Regine Sacher als amüsierwütige Mondchefin Frau Luna,
weniger durch ihren Gesang als vielmehr durch gekonntes Auftreten in atemberaubenden Roben und ihr amüsantes Spiel überzeugt. Sein komisches Talent kann Sigurd Karnetzki als Theophil ausspielen. "Lose, muntre Lieder" singt tenorstrahlend Alexander Geller als Leutnant von Schlettow/Prinz Sternschnuppe und sorgt mit seinem Auto- bzw. Mondmobil für viel Heiterkeit. Mit Plateau- Overknees und Netzstrumpfhose begegnet uns Stefan Burmester als transsexueller Mars. Sünne Peters als couragierte Ella/Stella setzt ihre Sing- und Spielbegabung gekonnt ein. Und wenn zum Schluss das Glühwürmchen-Idyll erklingt, die schwarzen Käfer ihre leuchtenden Hinterteile schwenken und am Sternenhimmel der Mond lächelt, kann es kaum noch eine Steigerung geben. Ausgenommen natürlich durch das obligatorische Feuerwerk.
Weitere Vorstellungen: 19./26. Juli, 1./2., 8./9. August (alle 20 Uhr), 27. Juli, 3., 7. August (18 Uhr), 13., 20. Juli (15 Uhr)

Musikalische Leitung: Mark Rohde  |  Inszenierung: Wolfgang Lachnitt  |  Chor: Gotthard Franke  |  Bühne: Stephan Dietrich  |  Kostüme: Stephan Stanisic  |  Choreografie: Mirko Mahr  |  Dramaturgie: Christoph Blitt  |  Mit: Regine Sacher, Ellen Susanne Kirchesch, Maria Mallé, Sünne Peters, Nicholas Shannon, Sigurd Karnetzki, Dieter Köplin, Bernd Gebhardt u.a.  |  Opernchor  |  Extrachor  |  Deutsche Tanzkompanie Neustrelitz  |  Komparserie des Landestheaters  |  Neubrandenburger Philharmonie