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Eine Nacht in Venedig | Stückbeschreibung | Presse
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Nordkurier
Mo 09.07.2007
von Peter Buske

Neustrelitz. Meteorologisch gesehen ist der Juli-Anfang immer eine heikle Zeit, besonders für Open-Air-Fans. Musste im vorigen Jahr die "Vogelhändler"-Premiere der Schlossgartenfestspiele Neustrelitz eines Gewitters wegen abgebrochen werden, ging nun am Sonnabend die Saisoneröffnung mit Johann Strauß "Eine Nacht in Venedig" ohne solches Handicap über die sparsam, aber stilvoll ausstaffierte Bühne. Fast schien es, als wollten die Schauerwolken, die über das Areal hinwegzogen, das vergnügliche Treiben um die amourösen Abenteuer eines herzoglichen Wilderers um Frauengunst, Liebestreue und Weiberlist nicht stören.
Als ein Masken- und Verwirrspiel der vergnüglichsten Art hat es Jürgen Pöckel inszeniert. Dass er über ein lockeres und sicheres Händchen für die Erfordernisse des Operettengenres verfügt, hat er mit dieser ansehens- und hörenswerten Inszenierung erneut aufs Schönste bewiesen. Dazu hat ihm Roy Spahn die Szenerie in eine stilisierte Lagunenstadt verwandelt. Der Hang ist mit blauer Folie als Imagination des Canal Grande ausgelegt. In einem Wassergraben wartet eine Gondel darauf, im Vordergrund quer über die Bühne gezogen zu werden. Die Fassaden von stilisierten Palazzi der Lagunenstadt sind gazedurchsichtig; Verkaufsstände für Gemüse, Käse, Brot und Torten verweisen auf geschäftiges Treiben.
Zur Ouvertüre bevölkert sich die Bühne mit Gondolieri und Fischermädchen (Mitglieder der Deutschen Tanzkompanie), die in der Choreographie von Thomas Vollmer mit einem flotten Ballettbeitrag begeistern. Auch später betören sie mit weiteren Einlagen wie dem Strauß-Walzer "Wo die Citronen blüh`n" die Sehsinne. Inzwischen sind auch die Senatoren zu ihrer Versammlung eingetroffen, bei der es um den bevorstehenden Karneval und den Herzog-Besuch geht. Wohin man auch blickt, überall ist etwas los. Fotografierende Touristen bevölkern die Szenerie, ein sehr heutiges Venedig. Einen Akt später verwandelt sich die modern gewandete Personage in prachtvoll gekleidete, mit Haaraufputzen reich versehene historische Gestalten. Diese Kostümorgie ist Kordula Stövesand zu danken, die damit auch dem der Operette innewohnenden Schaubedürfnis auf verschwenderische Weise entspricht. Hinreißend!
Die Tontechnik dagegen ist`s nicht. Aus zweimal vier Lautsprechern tönt kompakt und metallisch, was die Neubrandenburger Philharmonie unter Mark Rohde im abseitig gelegenen, erhöhten Musikertempel spielt. Man setzt sich ein, gewiss, doch mehr lässt sich über`s Können der Musiker nicht vermelden. Aufgrund der Distanz ist man mit den Solisten nicht immer gebührlich zusammen. Der Chor (Einstudierung: Gotthard Franke) verschwimmt über die Boxen zur undifferenzierten Klangmasse. Die Veranstalter sollten ob solcher Misere schnellstens für Abhilfe sorgen, auch wenn`s kostet. Davon könnten auch die sängerischen Protagonisten profitieren, deren Stimmen, vorzugsweise die der Männer, reichlich blechern aus den Klangkisten klingen.
Spielfreude ist über drei kurze Stunden angesagt. Als resolute Fischerstochter Annina führt Operettendiva Regine Sacher mit ihrem silbrig schimmernden, ausladenden und in der Höhe wunderschön aufblühenden Sopran das Ensemble an. Listenreich trotzt sie den Verführungskünsten von Paul McNamara, der als Herzog von Urbino mit jugendlich-dramatischem Tenorfeuer schmelzend verkündet:"Treu sein, das liegt mir nicht!" In seinem listenreichen Leibbarbier Caramello hat er einen glanzvoll-strahlenden tenorstimmlichen Gegenspieler ("Komm in die Gondel"). Quicklebendig spielt und singt Nicholas Shannon den Makkaroni kochenden Pappacoda, wobei ihm Köchin Ciboletta (Darlene Ann Patterson) mit geläufiger Kehle in nichts nachsteht. Stelzenläufer, Fackeljongleure und zum Finale ein Minifeuerwerk machen die "Nacht in Venedig" zum heftig beklatschten Spektakel.

Weitere Vorstellungen: 13., 15., 20., 22., 28., 29. Juli, Schlossgarten Neustrelitz

Regie: Jürgen Pöckel  |  Musikalische Leitung: Mark Rohde  |  Ausstattung: Kordula Stövesand  |  Chor: Gotthard Franke  |  Choreografie: Thomas Vollmer  |  Dramaturgie: Christoph Blitt  |  Mit: Gabriele Borowy  |  Darlene Ann Dobisch  |  Hartmut Engler  |  Sigurd Karnetzki  |  Dieter Köplin  |  Stefan Livland  |  Paul McNamara  |  Regine Sacher  |  Nicholas Shannon  |  Kerstin Marie Rühlmann  |   |  Opernchor  |  Extrachor  |  Artisten  |  Deutsche Tanzkompanie Neustrelitz  |  Neubrandenburger Philharmonie