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Norddeutsche Rundschau, Itzehoe
Sa 29.01.2005
Die Liebe – ohne eigenen Opfer unmöglich von Peter Kaminsky

Gelungene „Rusalka“-Inszenierung des Theaters Neubrandenburg/Neustrelitz im Theater Itzehoe

„Rusalka“ heißt eigentlich Nixe. In Antonin Dvoraks vorletzter Oper (1901 uraufgeführt) orientiert sich der Librettist Jaroslav Kvapil an romantischen Vorlagen, im Wesentlichen an de la Motte Fouqués „Undine“. Rusalka hat sich in ihrem Wasserreich in einen Menschenprinzen verliebt. Um Menschenfrau zu werden, muss sie aber ihre Stimme opfern. Falls sie wieder Nixe werden möchte, müsste ihr Prinz sterben. Natürlich bekommt Rusalka ihren Wunsch durch die Wasserhexe erfüllt. Und, man ahnt es, ihr Prinz verliebt sich während der Hochzeit in eine Dame von Welt; stimm- und sprachlos muss Rusalka die Verführungsszene miterleben. Sie will also zurück. Der Prinz jedoch sieht seine Schuld ein, geht zu seiner Nixe in den See und erhält den tödlichen Kuss.
Der Gefahr, eine solche Geschichte zu verkitschen, begegnet die Inszenierung des Theaters Neubrandenburg/Neustrelitz mit einer durchgängigen Psychologisierung der Handlung, die auf alles Schmachtende verzichtet. Dass das Geschehen nicht in bloßer Pose erstarrt, wie es manchmal in den hoch anspruchsvollen stummen Spielszenen der eifersüchtig leidenden Rusalka den Anschein haben könnte, liegt vor allem an Dvoraks Musik, die, an Wagners Leitmotivtechnik orientiert, in den Wasserszenen auf lyrisch-verspielte Melodien, in den Menschenszenen hingegen auf Mittel von entlarvender Vordergründigkeit zurückgreift. Stefan Malzes Dirigat betont diesen gewollten Kontrast.
Der eigentliche Erfolg dieser Inszenierung liegt aber im Regie-Konzept von Ralf-Peter Schulze. Immer wieder übersetzt er die märchenhafte Story sowie Dvoraks Musik-Symbolik in Richtung auf die psychologische Leitfrage, was eigentlich eine intensive Liebesbeziehung von Mann und Frau ermögliche. Wenn nicht beide bereit seien, einen Verlust zu ertragen, um aus zwei verschiedenen Welten eine neue schaffen zu können, erfolge das Scheitern zwingend. Deswegen steht an Schutzes Schluss nicht allein der Tod (wie bei Dvorak), sondern ein romantisch-idealistisches "Es geht weiter!".
Nach fast drei Stunden gab es im mäßig besetzten Haus sehr viel Beifall für solide sängerische Leistungen, für ein markantes Bühnenbild mit effektreichen Wasserspiegelungen und für ein mit Farbsymbolik arbeitendes Lichtdesign. Auch die Kleinigkeiten stimmten perfekt.


Nordkurier, Strelitzer Zeitung
Mi 19.05.2004
Berührende Inszenierung von Elke Wiemer, Berlin

"... Nicht häufig berührt mich eine Inszenierung so tief in der Seele wie die von Ralf-Peter Schulze. Er bricht alte Konventionen auf, öffnet für neue Sicht und erzählt dennoch die Geschichte authentisch und ergreifend - und meines Erachtens mit sehr viel Herz, Gefühl und Poesie. ..."

MUSIKALISCHE LEITUNG: GMD Stefan Malzew  |  INSZENIERUNG: Ralf-Peter Schulze  |  AUSSTATTUNG: Iris Bertelsmann  |  CHOR: Gotthard Franke  |  DRAMATURGIE: Klaus-Edgar Wichmann  |  SÄNGER: Karin Goltz  |  Larysa Molnárová  |  Rebekah Nye  |  Gabriele Spiegl  |  Katharina Wingen  |  Gary Jankowski  |  Sigurd Karnetzki  |  Paul McNamara  |  Opernchor
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