REPERTOIRE   Rückschau
Play Dürrenmatt | Stückbeschreibung | Presse
preview Fotoauswahl (1-12)


Nordkurier
Do 05.01.2017
Warum ein Geretteter wieder ins Meer springt von Paula Sonnenwind

Gleich drei Texte des berühmten Schweizer Autors Friedrich Dürrenmatt an einem einzigen Theaterabend – das gibt’s am Wochenende im Schauspielhaus. Dabei geht es meist satirisch, manchmal auch sarkastisch zu.
Aus drei mach eins: Diesen Kunstgriff wagt Regisseur Wolfgang Bordel bei dem Theaterabend „Play: Dürrenmatt“, der am Sonnabend um 19.30 Uhr im Schauspielhaus Neubrandenburg zu erleben ist. Das Kammerspiel vereint drei frühe Texte eines berühmten Schweizer Autors: Denn bevor Friedrich Dürrenmatt mit seinen Theaterstücken und Romanen Weltgeltung erlangte, hatte er bereits etliche Hörspiel- und Kabaretttexte veröffentlicht.
In dem Kabarett-Sketch „Der Erfinder“ reist Professor Zweistein, Erfinder der Atombombe, in der Welt umher und sprengt zu Testzwecken mit seinen Miniaturbomben pazifische Inseln und Archen in die Luft. Doch auf einer Arche trifft er auf einen besonders gewitzten Präsidenten, der Zweisteins Verstecke für die Miniaturbomben durchschaut. Der im Jahre 1949 entstandene Einakter, in dem sich Friedrich Dürrenmatt auf satirische Art mit den Schrecken des Atomzeitalters auseinandersetze, gilt als Vorläufer seines großen Theatererfolgs „Die Physiker“.
„Nächtliches Gespräch mit einem verachteten Menschen“ ist der Titel eines Hörspieltextes, in dem sich ein Dichter in einem totalitären Staat plötzlich mit seinem Henker konfrontiert sieht. Der Schriftsteller ist von der Regierung geächtet, seine Freunde werden bedroht, daher hat er durchaus mit diesem Besuch gerechnet. Allerdings entwickelt sich zwischen den beiden Männern unverhofft ein Gespräch, der Henker erzählt dem Schriftsteller von seiner Arbeit und lehrt ihn, dem Tod demütig entgegen zu sehen. Friedrich Dürrenmatt schrieb das als Kurs für Zeitgenossen bezeichnete Hörspiel 1951 unter dem Eindruck der Nazizeit. Es ist eine Parabel über das Annehmen eines ungerechten Urteils.
Seinen einmaligen Humor und seine pointierte Schreibweise zeigt Dürrenmatt im 1948 entstandenen Kabaretttext „Der Gerettete“: Ein vor dem Ertrinken Geretteter sieht sich mit der Unmenschlichkeit und der Bürokratie des Amts für Schiffbrüchige konfrontiert, die ihn schließlich dazu bringen, wieder ins Meer zu springen. In dem 1948 entstandenen Text setzt sich Dürrenmatt mit der schweizerischen Asylpolitik auseinander.

Regie Dr. Wolfgang Bordel  |  Ausstattung Jörg Masser  |  Dramaturgie Katrin Kramer  |  mit: Marco Bahr| Fabian Quast| Josefin Ristau | Martina Block