REPERTOIRE   Rückschau
Die Drei von der Tankstelle | Stückbeschreibung | Presse
preview Fotoauswahl (1-13)



Nordkurier / Kultur
Mo 06.06.2016
Eine Tankfüllung Witz und gute Unterhaltung von Marcel Auermann

Auf Reserve fährt die Sommerkomödie „Die Drei von der Tankstelle“ ganz bestimmt nicht. Sie besitzt Vieles, das sich ein Theaterpublikum in den heißen Monaten wünscht. Marcel Auermann besuchte die Premiere am vergangenen Wochenende und zeigt, warum es sich lohnt, diesen Spaß und das Vergnügen anzuschauen.

Was sofort auffällt:
Im dritten Jahr des sogenannten Sommerspektakels findet das Schauspielhaus Neubrandenburg endlich den Dreh, der das Wort rechtfertigt. „Die Drei von der Tankstelle“ ist eine leichte Komödie mit den üblichen Irrungen und Wirrungen, bei der der Zuschauer bei stickigen Temperaturen kaum nachdenken muss, sondern sich einfach nur berieseln darf - und lachen. Vor allem das!
Nach einem etwas wirr inszenierten „Wirtshaus im Spessart“ und einem normalen „Hauptmann von Köpenick“ nun also eine flotte Inszenierung der drei Freunde. Es ist aber nicht allein die gekonnte Stückauswahl. Das wäre zu wenig. Die Bühnenmitarbeiter entsorgten die ältlichen Kulissen, die oft wie Laubsägearbeiten aus der Grundschule anmuteten oder deren Pappmaché das Publikum bis in die letzten Stuhlreihen erkannte. Schluss mit Szenerien wie aus dem Bilderbuch. Mit dieser Produktion kommt der Schauspielbetrieb im Hier und Jetzt, in der Realität an. Die Tankstelle ist als solche zu erkennen - mit Zapfsäule und -pistole, Ölkännchen. Eine Bar ist eine Bar, ein Büro ein Büro und so weiter. Nichts Stilisiertes, Undefinerbares, Weltfremdes. Das tut so gut, weil nichts ablenkt, der Zuschauer voll und ganz den Figuren, den Dialogen folgt.

Altes wird frisch!
„Die Drei von der Tankstelle“ haben bald 100 Jahre auf dem Buckel. Den Film mit Heinz Rühmann kennen - sagen wir mal - fast 80 bis 90 Prozent. Mit dem Lied „Ein Freund, ein guter Freund“ sieht es kaum anders aus. Dementsprechend angestaubt, ja ausgelutscht kommt die Komödie daher. Viele wissen, was einen erwartet. Da also Pep hineinzubringen, gehört zur Schwierigkeit eines Regisseurs. Wolfgang Bordel baut in die Handlung Schutzengel mit ein. Willy, Hans, Kurt - jeder der Tankwarte bekommt einen an die Seite gestellt. Obendrauf gibt’s noch einen Conferencier (Fabian Quast etwas zu zurückhaltend).
Zu viert mischen sie mächtig auf, tragen einen Gutteil des Witzes bei und sorgen für Frische. Sie singen, spaßen und tollen durchs Publikum, dass es eine wahre Freude ist. Dabei kristallisiert sich heraus, dass einer das Spiel mit den Zuschauern besonders drauf hat: Christoph Deuter. Er räkelt sich wie eine Meerjungfrau, dass man am liebsten laut losprusten möchte. Er überrascht am Ende mit etlichen Steppschritten, von denen man gerne noch mehr sehen würde. Er singt seine Einsätze so, dass er als Nebenrolle manchem Hauptdarsteller, zumindest was das Musikalische angeht, die Schau stiehlt.

Zackig inszeniert:
Dass sich das Schauspielhaus Choreograf Stephan Brauer mit ins Boot holte, zahlt sich aus. Und zwar reichlich. Die Schauspieler agieren auf der Bühne so exakt wie selten. Zu jedem Lied - und davon gibt es viele - kommt eine ganz bestimmte Schrittfolge. Das verleiht der Inszenierung Schmackes. Das zieht das Publikum (unbewusst) mit. Lange sangen, klatschten, wippten die Gäste bei einem Stück nicht mehr so mit wie bei den Dreien von der Tankstelle. Die Spielfreude überträgt sich. Daran hat nicht nur das ewige „Ein Freund, ein guter Freund“ seinen Anteil. „Mir liegen die älteren Jahrgänge“, „Lieber, guter Herr Gerichtsvollzieher“ und das träumerische „Irgendwo auf der Welt“ funktionieren ebenfalls wunderbar.

Freunde halten zusammen!
Der Zuschauer kann nur mutmaßen, dass sich Sven Jenkel, Michael Goralczyk und Thomas Pötzsch auch im realen Leben gut verstehen. Wenn nicht, dann spielen die Drei zumindest ihre unkaputtbare Freundschaft als Willy, Hans und Kurt einfach nur grandios. Sie schnurren wie ein Räderwerk, jeder kann sich auf den anderen verlassen. Gerade bei drei gleichwertigen Rollen wäre ein Qualitätsabfall sofort zu bemerken. Alle sind auf Augenhöhe, keiner spielt sich nach vorne und damit die anderen an die Wand. Es ist schön dieser Bande abwechselnd im beigen Arbeitsoverall oder im eleganten Smoking zuzuschauen.
Lisa Voß als Lilian Coßmann, um die alle drei Männer buhlen, fügt sich mit ihrer Wandelbarkeit schön ein. Sie gibt die kesse Blonde an der Tanke genauso gut wie die berechnende Dame im Glitzerkleid in der Bar. Nur die Lieder scheinen nicht so ganz ihr Ding zu sein. Ihre - eigentlich - gute Stimme kam bei anderen Musikproduktionen schon besser zum Tragen.

Darum geht’s:
Die drei bankrotten Männer Willy, Hans und Kurt versuchen ihr Glück als Tankstellenbesitzer und verlieben sich alle drei in eine Dame im Cabrio. Es gibt Verwicklungen, die Lilian mit Hilfe ihrer zukünftigen, noch jungen Stiefmutter geschickt löst. Happy End, natürlich, inklusive. Was sonst bei einer locker-luftig-fluffigen Sommerkomödie!


MusicalZentrale
Mo 06.06.2016
Super an der Spaß-Zapfsäule von Kai Wulfes

Viele erfolgreiche Filme sind für die Bühne adaptiert worden. Auch der Heinz Rühmann-Klassiker "Die Drei von der Tankstelle". Dank der Gassenhauer aus der Feder von Werner Richard Heymann, einer werkgetreu-flotten Inszenierung (Dr. Wolfgang Bordel) und einem gut aufgelegten, homogenen Schauspiel-Ensemble gelingt in Neubrandenburg ein tolles Sommerspektakel in einem ungewöhnlichen Raumkonzept.
Premiere: 03.06.2016

Nach einer Niederlage nur nicht den Kopf in den Sand stecken – das ist das Motto der Freunde Willy, Kurt und Hans, denen der Gerichtsvollzieher die Wohnung leer geräumt hat. Statt Trübsal zu blasen, bauen sie sich an einer Landstraße als Tankwarte eine neue Existenz auf. Was sich wie der Beginn einer möglichen Erfolgsstory zu Hartz IV-Zeiten anhört, begeisterte bereits unsere Großeltern: Mit dem Film "Die Drei von der Tankstelle" gelang der UFA 1930 ein ganz großer Wurf.

Dass eine Spritztour mit einem (Musical-)Oldtimer auch 86 Jahre später noch Spaß machen kann, beweist diese rundum gelungene Produktion im Schauspielhaus Neubrandenburg, dem ältesten erhaltenen und immer noch bespielten Theaterbau Mecklenburgs. Im Rahmen des Formats "Sommerspektakel" sitzt das Publikum nicht wie gewohnt in Reihen, sondern an kleinen Tischchen zwischen einem durch den Saal führenden Steg, der zwei Spielflächen an den Kopfseiten miteinander verbindet. Die Besucher befinden sich also schon vom Raumkonzept her mitten im Stück, in dessen Handlung sie aber auch immer wieder integriert werden. Die für die Bühnenadaption (Sepp Tatzel) hinzuerfundenen Schutzengel der drei Tankstellen-Freunde (Franziska Groth, Emily Meier, Christoph Deuter und Fabian Quast) gesellen sich auch immer wieder direkt zu den Gästen, wo sie mit ihren Gesangseinlagen geschickt von Umbauarbeiten ablenken. Ob in schicker, gold-schwarzer Abendgarderobe oder im Matrosenlook ("Das ist die Liebe der Matrosen"): Gesine Ullmanns von der Dreißigerjahre-Mode inspirierten Kostümentwürfe lassen nicht nur die Schutzengel gut aussehen. Das ebenfalls von Ullmann entworfene, in Grün- und Gelbtönen gehaltene, abstrakte Bühnenbild deutet die Spielorte nur an.

Regisseur Dr. Wolfgang Bordel belässt die doch recht dünne Story, in deren Happy-End-Finale alle drei Freunde mit einer passenden Frau versorgt sind, in ihrer Entstehungszeit. Er erzählt flott und werkgetreu, scheut sich aber auch nicht aktuelle Themen wie die drohenden Theaterfusionen im Land mit einzubauen. Unterm Strich eine gute Regie-Arbeit, sodass beim knapp dreistündigen Theaterabend nie Langeweile aufkommt. Dafür sorgt auch Choreograf Stephan Brauer der sich für das hauseigene Schauspielensemble einfache, aber sehr effektvoll aussehende Tanzschritte ausgedacht hat. Höhepunkt ist das flott getanzte Pausenfinale "Lavendel", das die Zuschauer beschwingt in einen dreißigminütigen, "kulinarischen Boxenstopp" im Innenhof des Theaters entlässt. Neben Bockwurst, Brötchen und Bier, die im Kartenpreis bereits enthalten sind, können sich die Zuschauer hier kostenlos gemeinsam mit den Schutzengeln in einem knallroten, echten Oldtimer fotografieren lassen. Eine tolle Idee!

Die vor einer der beiden Bühnen sitzende Tankstellenband unter der Leitung von Frank Obermair spielt mit Begeisterung die vielen unbeschwerten, zu Evergreens gewordenen Lieder von Werner Richard Heymann. Es braucht nur fünf Instrumente (Klavier, Violine, Kontrabass, Klarinette und Schlagzeug), um das Publikum von Beginn an zum Mitsingen zu bringen. Gassenhauer wie "Ein Freund, ein guter Freund" oder "Hoppla, jetzt komm' ich" funktionieren auch 2016 immer noch bestens. Richtig witzig ist "Lieber, guter Herr Gerichtsvollzieher", das das Kinderlied vom Kuckuck zitiert.

Hut ab vor der homogenen Gesangsleistung des Ensembles, aus dem Lisa Voß (Lilian Coßmann) herausragt. Optisch wirkt sie zwar ein bisschen zu alt für ihre Rolle, doch statt eines kecken Backfischs umschwärmen die drei Tankwarte hier eine aparte Lady, die genau weiß, was und wen sie will. Vor allem aber kann sie mit einer tollen Stimme aufwarten, wie sich vor allem bei "Eine Nacht in Monte Carlo" zeigt. Komische Sympathieträger der Inszenierung sind Sven Jenkel (Willy), Michael Goralczyk (Hans) und Thomas Pötzsch (Kurt). Anika Kleine (Fräulein Mondschein, Bardame und Putzfrau) unterstreicht ihre ungeheure Wandlungsfähigkeit.


Egal, ob Fahrzeug oder Musical: Oldtimer gehören nicht ins Museum, sondern müssen für das Publikum erlebbar werden. Das gelingt dem Schauspielhaus Neubrandenburg ganz prächtig. Besonders in der Kombination Fahrzeug und Musical.

http://www.musicalzentrale.de/index.php?service=0&subservice=2&details=7782


Nordkurier / Kultur
Di 05.04.2016
Wo die Heiterkeit aus dem Zapfhahn kommt von Matthias Diekhoff

Gesang, Tanz und ein bisschen Melancholie: Das ist der Treibstoff für das diesjährige Neubrandenburger Sommerspektakel. An der Zapfsäule stehen „Die Drei von der Tankstelle“.
Am Ende singen alle mit. Das kann Wolfgang Bordel schon mal versprechen. Wie im vergangenen wird er auch in diesem Jahr beim Sommerspektakel im Neubrandenburger Schauspielhaus Regie führen. Nach dem „Hauptmann von Köpenick“ und dem „Wirtshaus im Spessart“ stehen diesmal „Die Drei von der Tankstelle“ nach dem gleichnamigen Film-Klassiker mit Heinz Rühmann, Willy Fritsch und Oskar Karlweis aus den 30er Jahren auf dem Programm. Mit „Ein Freund, ein guter Freund“ hat der Film der Welt ein Lied beschert, das fast jeder kennt und zumindest in Teilen mitsingen kann.
Neben diesem musikalischen Versprechen hatte Wolfgang Bordel bei der Pressekonferenz zum Sommerspektakel am Dienstag aber auch noch den Hinweis dabei, dass neben all den schönen Liedern im Stil der Zeit, der Live-Musik, den beschwingten Tänzen und der ganzen Heiterkeit auch noch ein gutes Stück Melancholie mitschwingt.
Denn schließlich gehe es doch genau genommen um drei Männer, die plötzlich vor dem Nichts stehen. Und denen nichts weiter bleibt als Freundschaft, Hoffnung und der Traum von einem glücklichen Leben. Ein „großes Märchen“ sei das, findet der Regisseur. Aber auch ein großer Spaß. Wenn nicht sogar ein Abenteuer.
Der Theatergarten wird wieder zum Pausenhof
Zumindest soll es dem Publikum möglich sein, „Abenteuerplätze“ zu reservieren. Die befinden sich an einem Steg, der die zwei Bühnen miteinander verbindet, die für das Spektakel im Schauspielhaus aufgebaut werden. Auf der einen Seite wird dann die Tankstelle zu sehen sein und auf der anderen verschiedene Schauplätze aus dem Film, wie zum Beispiel der Kit-Kat-Club oder die Wohnung von Lilian, die allen drei Freunden den Kopf verdreht.
Der dritte Schauplatz wird sich jedoch im Theatergarten befinden. Quasi ein Boxenstopp, der die Unterhaltung in der Pause übernimmt. Dort soll es dann nicht nur einen tankstellengerechten Imbiss wie Bockwurst (beziehungsweise eine vegetarische Boulette) auf die Pappe geben.
Für eine bleibende Erinnerung könnte auch ein echter Oldtimer sorgen, in dem sich die Gäste mit Wind im Haar und vor prächtiger Kulisse fotografieren lassen können. Wahlweise mit dem eigenen Partner, der flotten Lilian oder einem der Drei von der Tankstelle.
Und wo so viel musiziert wird, darf voraussichtlich auch die Kasse etwas kräftiger klingeln. Schon jetzt gebe es rund 700 Vorbestellungen, sagte der Intendant der Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz (TOG), Joachim Kümmritz.

Musikalische Leitung Frank Obermair  |  Regie Dr. Wolfgang Bordel  |  Ausstattung Gesine Ullmann  |  Choreographie Stephan Brauer  |  Dramaturgie Katrin Kramer/Chantal Obermair  |  MIT: Michael Goralczyk| Sven Jenkel| Michael Kleinert| Thomas Pötzsch| Fabian Quast| Dirk Schmidt| Lisa Voß | Lisa Brinckmann, Christoph Deuter, Franziska Groth, Anika Kleinke, Emily Meier | MUSIKER: Margarethe Hafner-Akazawa, Christoph Keck, Frank Obermair, Albrecht Rau, Mark Rose, Andreas Rosin