REPERTOIRE   Spielzeit 2017/2018
Zar und Zimmermann | Stückbeschreibung | Presse
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Nordkurier, Strelitzer Zeitung, Kultur und Freizeit
Mo 09.05.2016
Publikum huldigt seinem Musiktheater von Dr. Frank Wilhelm

An der Premiere von „Zar und Zimmermann“ gibt es nichts auszusetzen. Sänger, Chor und Tänzer brillierten in der komischen Oper. Dass es auch viel zu lachen gab, war vor allem einem Darsteller zu verdanken.

Neustrelitz. Tobias Pfülb spielte seine Rolle weiter, obwohl die letzten Melodien von Lortzings „Zar und Zimmermann“ längst verklungen waren. Gönnerhaft nahm er den Applaus entgegen, so, als wenn er auch nach dem Schlussakkord noch den eitlen Bürgermeister van Bett darstellen würde. Pfülb hatte sich am Samstagabend im Neustrelitzer Landestheater in die Herzen des Premierenpublikums gesungen und gespielt. Der gockelhafte Bürgermeister sorgte dafür, dass das Stück seinem Untertitel „komische Oper“ mehr als gerecht wurde. Zumal ihm der Komponist witzige Verse auf den Leib geschrieben hat: „Denn ich weiß zu bombardieren, zu rationieren und zu expektorieren, zu inspizieren, zu räsonieren, zu echauffieren und zu malträtieren.“
Der Inhalt der Oper ist schnell erzählt: Peter I. (Robert Merwald) lässt sich inkognito als Zimmermann auf der Werft des holländischen Städtchen Saardam in die Geheimnisse des Schiffbaus einweihen. Es spricht sich aber herum, dass sich der russische Zar in der Stadt befindet. Der englische (Ryszard Kalus) wie der französische Gesandte (Sangmin Jeon) wollen mit dem Zaren verhandeln. Doch nicht nur der Brite, sondern auch Bürgermeister van Bett glauben fälschlicherweise in dem jungen Russen Peter Iwanow (Andrés Felipe Orozco) den Zaren auszumachen.
Der Stoff für eine musikalische Verwechslungskomödie, den die Inszenierung von Birgit Kronshage in fabelhafter Form aufbereitet. Die Regisseurin hält sich weitestgehend an die historische Vorlage, setzt eigene Zutaten sparsam ein. Als Reminiszenz an die Neustrelitzer lässt sie beispielsweise die Strelitzen den Aufstand in Russland proben, wegen dem der Zar zurück in die Heimat muss.
Es wäre ungerecht, einen Sänger herauszuheben aus dem durchweg überzeugenden Ensemble, das perfekt von der Neubrandenburger Philharmonie begleitet wurde. Es gab nichts zu mäkeln. Merwald und Orozco, Kalus und Jeon – sie alle brillierten in ihren Rollen. Anna Maistriau stand ihnen in der männerdominierten Oper in nichts nach. Sie sang die umschwärmte Marie. Herrlich ihr Zusammenspiel mit dem krankhaft eifersüchtigen Freund Peter Iwanow.
Der Star war dieses Mal der Chor: Mehr als 30 Sänger vom Opern- und Extrachor des Theaters sowie dem Berliner Sängerensemble Choruso konnte Chorleiter Gotthard Franke aufbieten. Das machte stimmlich und visuell viel her. Glänzen konnte der Chor insbesondere bei der witzigen Einstudierung der komischen Kantate zu Ehren des Zars mit van Bett.
Neben der Kantate ist der Holzschuhtanz ein weiterer Klassiker der Lortzing-Oper. Genau das Richtige für die Deutsche Tanzkompanie, die eine flotte Sohle auf das Holz der Bühne legte. Verdientermaßen heimsten die Tänzer dafür den lautesten Zwischenapplaus der gesamten Premiere ein. Ohne Zweifel schwang hier aber wie auch bei den mehr als zehnminütigen Ovationen zum Schluss viel Wehmut des Publikums ob des wohl feststehenden Aus’ für das Tanzensemble und das Ende des Neustrelitzer Musiktheaters mit.


Nordkurier, Strelitzer Zeitung, Kultur und Freizeit
Fr 06.05.2016
In Neustrelitz wird es zum Verwechseln komisch von Caroline Wenndorff

Morgen wird es nicht nur musikalisch, sondern auch witzig, wenn die komische Oper „Zar und Zimmermann“ von Albert Lortzing aufgeführt wird. Doch noch laufen die Proben.

NEUSTRELITZ. Wer ist bloß der russische Zar? Um diese Frage dreht sich alles bei der Komischen Oper „Zar und Zimmermann“, die morgen im Neustrelitzer Landestheater Premiere feiert. Denn auf der Schiffswerft in Saardam geht das Gerücht um, dass einer der beiden Zimmermänner der russische Zar Peter der Große höchstpersönlich sei. Das stößt natürlich auf großes Interesse in dem kleinen Ort – allen voran beim Bürgermeister van Bett, der seine große Stunde gekommen sieht. Dabei sind die Verwechslungen in Albert Lortzings Stück von 1837 nicht nur witzig, sondern auch historisch.
„Lortzing wurde von einer wahren Begebenheit inspiriert“, weiß Regisseurin Birgit Kronshage. Denn Zar Peter der Erste liebte in der Tat Schiffe und schlich sich 1697 auf eine Werft, um dort ungestört zu arbeiten.
„Die Oper ist wirklich mitreißend“, findet die Regisseurin, die sofort zusagte, als Neustrelitz’ Operndirektor Wolfgang Lachnitt fragte, ob sie bei diesem Stück Regie führen möchte. Lortzing habe unheimlich viel Wert auf jedes kleinste Detail gelegt und kombinierte als gelernter Schauspieler und Sänger Musik und Text auf wirklich einzigartige Weise. „Wir führen das Stück bewusst im Original auf und ändern nur Kleinigkeiten“, sagt die gebürtige Hannoveranerin.
Mit ihrem Ensemble hatte Birgit Kronshage in den vergangenen Wochen viel Spaß bei der Umsetzung. „Wir haben uns alle erst Ende März kennengelernt und arbeiten seitdem täglich für etwa acht Stunden miteinander“, so Kronshage. Schon nach kurzer Zeit sei das Team samt Schauspielern, Chor und Orchester super eingespieltgewesen. Besonders beeindruckt zeigt sie sich von den Leistungen des Gast-Sängers Tobias Pfülb, der eine der drei Hauptrollen des Stücks spielt – den Bürgermeister van Bett. „Die Rolle ist meines
Erachtens neben der des Zars und des Zimmermanns die wichtigste“, meint die Regisseurin. Zwar nicht unbedingt musikalisch, aberals Gegenspieler drehe sich
die ganze Handlung um ihn. „Der Bürgermeister ist durchaus konfliktbehaftet und er kann sehr bösartig werden.“
20 Jahre ist es her, dass die komische Oper von Lortzing in Neustrelitz zuletzt aufgeführt wurde – mit einem Riesenerfolg. Für die morgige Premiere um 19.30 Uhr im Landestheater Neustrelitz sieht es erneut danach aus, denn es gibt nur noch wenige Restkarten.
Weitere Vorstellungen:
20. Mai und 18. Juni jeweils 19.30 Uhr
und am 5. Juni um 16 Uhr im
Landestheater Neustrelitz.

Musikalische Leitung Daniel Stratievsky Regie Birgit Kronshage Ausstattung Sabine Lindner Chorleitung Dr. Gotthard Franke Choreographie Kirsten Hocke Dramaturgie Lür Jaenike mit Lothar Dreyer| Ryszard Kalus| Lena Kutzner| Christian Salvatore Malchow| Robert Merwald| Andrés Felipe Orozco| Tobias Pfülb| Laura Scherwitzl| Mario Thomann | Neubrandenburger Philharmonie   |   Deutsche Tanzkompanie Neustrelitz   |   Opernchor   |   Extrachor   |   Statisterie   |   2015/16: Anna Maistriau als Marie, Sangmin Jeon als Marquis