REPERTOIRE   Spielzeit 2017/2018
Die Wannseekonferenz | Stückbeschreibung | Presse | Karten bestellen
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Neues Deutschland / Kultur
Di 24.02.2015
Hasso findet sie alle! von Hans-Dieter Schütt

Am Landestheater Neustrelitz hatte "Die Wannseekonferenz" Premiere, ein Dokumentarstück des 1930 geborenen Journalisten Paul Mommertz. Kein exaktes Konferenz-Protokoll, sondern eine Rekonstruktion aus unterschiedlich datierten Aussagen.
Manche alte Frau wurde nur berühmt, weil man sie erschlug. Siehe Raskolnikow. Und erst seit auch Faust als ziemlich krummer, kalter Charakter inszeniert wird, kämpft er nicht mehr ganz so vergeblich gegen die Faszination Mephistos. Karl Moor gilt als Held, aber sein Bruder Franz schillert weit stärker - steht er doch für den Instinkt des Tückischen, das in viel mehr Seelen lauert, als gewöhnlich ruchbar werden darf. Richard III., Titus Andronicus und andere finstere Auswüchse der Erden-Art Mensch: Seit jeher hat das Böse einen Sog, dem das Gute nichts Vergleichbares an Wirkung entgegensetzen kann. Wir steigen gern hinab. Wir reisen, hin- und hergerissen zwischen Scheu und Neugier, mit Vorliebe ins Herz der Finsternis. Schauder und Schauwert bilden seit jeher ein konfliktreiches Paar.
Wie nun ist das bei Bestien des Wirklichen? Am Theater Neustrelitz hatte "Die Wannseekonferenz" Premiere (Regie: Isolde Wabra, Bühne: Oliver Opara), ein Dokumentarstück des 1930 in Aachen geborenen Journalisten Paul Mommertz. 1984 ein Fernsehspiel des Bayerischen Rundfunks, weltweit in Kinos gezeigt. Kein exaktes Konferenz-Protokoll, sondern eine Rekonstruktion aus unterschiedlich datierten Aussagen - bis hin zum Eichmann-Prozess. Die Sitzung 1942 zur "Endlösung" der Judenfrage: fünfzehn Beamte, Offiziere, Funktionäre im Disput über logistische Fragen der Deportation und der Tötungstechniken. Die geplante Ermordung von elf Millionen europäischer Juden als Ressort-Rangelei, Ideologierausch, Karrierechance, Bürokratieproblem. Die erschlagende Perversität eines Plans, vorgeführt als Hitler-Vergötterung und militärische Vergatterung, Parolen, Plausch und Positionskämpfe zwischen Kognak und Imbiss. Da ist der Einpeitscher und der ministerielle Duckdich, der eisige SS-Zyniker und der Staatsdiener mit belachenswerten letzten Rudimenten bürgerlicher Ethik. Und da ist der Massenmord-Praktiker aus dem Baltikum, dessen Hund draußen nervend kläfft, ein Tier, das aber irgendwie zur Konferenz gehört, es ist ein Judensuchhund, "Hasso findet sie alle!"
Dies ist die Verführung durch Kunst: das Böse als Nähe-Erlebnis. Als Chance, sich selbstprüfend einzulassen auf die bestialische Möglichkeit, die in jeder Existenz lauern könnte. Pfarrer Friedrich Schorlemmer schrieb: "Ich bin Kain, der den anderen nicht erträgt. Ich bin Absolom, der Vatermörder. Ich bin das blöde Volk. Ich bin Petrus, der Treue schwört und dann als Erster Jesus verleugnet, einen Moment depressiv wird, dann sofort wieder obenauf ist, erneut in der Rechthaberpose. Ich bin froh, dass ich das alles nicht durchleben muss. Und alles durchlebe ich doch - in meiner Seele." Selbstanklage und Selbsterhebung untrennbar verbunden. "Die Voraussetzung, andere zu beurteilen, ist die tiefe und vertiefte Erkenntnis seiner selbst, mit allen Abgründen." Christa Wolf.
Und so holen in Neustrelitz Punktscheinwerfer die Konferenzteilnehmer - noch nicht uniformiert - aus dem Zuschauerraum. Jeder stellt sich kurz vor, sagt einen prägnanten Satz, der ihn kennzeichnet. Einer verweist auf den Anteil der weltanschaulichen Haltung für gesetzgeberische Entscheidungen. Ein Satz, der alle Mächte des Jahrhunderts erklärt. Den Verrat der Moral aus Überzeugung. Denn Moral gründet zuallererst auf individueller Freiheit des Handelns, sie schließt ein, unter Umständen gegen die Unzumutbarkeit der Verhältnisse aufzustehen, und es genügt, diese Verhältnisse vom eigenen Standpunkt aus unzumutbar zu empfinden. Das wird jedoch unmöglich in einer Gesellschaft, welche die bestehenden, veränderten Verhältnisse über alles stellt und also jeden Menschen der Unmoral bezichtigt (und züchtigt), der diese Verhältnisse angreift.
Thomas Mann schrieb einen Aufsatz mit dem Titel "Bruder Hitler", Heinar Kipphardt ein Stück namens "Bruder Eichmann". Beide beschwören unsere Verführbarkeit fürs Grässliche. So wie man fürs Gütigste verführbar bleibt. Wenn also über Anfechtbarkeit geredet wird: Sei sich niemand gar zu sicher, da nicht ebenfalls gemeint zu sein. Massenmörder Hitler hat keinen einzigen Menschen ermordet, Massenmörder Stalin auch nicht. Wer aber war's denn dann? Und warum blieben aufrechte, widerständige Geister stets so bitter einsam, blieben so ungehört, wurden so nahezu gesetzmäßig verstoßen aus der Mitte der Menge? Nicht nur unter Nazifahnen. Juden und Schädlinge, kein zufälliger Vergleich - heißt es grinsend. Schädlinge, dies Wort machte Karriere im Zeitalter der Extreme.
Die Bedrängung des Abends ergibt sich aus jener Unbegreiflichkeit, die durch keine Analyse, durch keine Forschung, durch keine Erkenntnisweitergabe je gemildert werden konnte. Du hörst und bist einmal mehr fassungslos. Auch wenn Kolorit und naturalistische Nachzeichnung in Kostüm und Gebaren am Konferenztisch bewusst und durchaus etwas holzschnittartig am historischen Abstand arbeiten. Das hat etwas Backenes. Einerseits. Andererseits obsiegt doch ein beeindruckendes schauspielerisches Bemühen um Differenzierung. Es gibt Eitelkeiten, Boshaftigkeiten, Erschrecken, Kumpanei-Gegröle, es gibt Bellen und Dulden, Zudröhnen und Zögern, Nervosität und Nonchalance. Johannes Stelzhammers Sicherheitsdienst-Chef Heydrich als Konferenzleiter hat logischerweise die größten Möglichkeiten, er gibt einen aasig-lässigen Nervendrahtzieher, mit geschickt dosierten Einschüben aus Charme und Brutalität, ekliger Arroganz und süffisanter Glätte.
Es dauert am Ende, ehe Beifall kommt. Einige Zuschauer stehen einfach nur auf, stehen da, regungslos. Er wirkte, würgte - dieser szenische Aufruf des negativen menschlichen Möglichkeitssinns. Etwas Vergangenes sehen und sich klar werden: Nichts befreit aus persönlicher Haftung - weniger im Sinne von Verantwortlichkeit für besagte Vergangenheit, deren Zeuge man nicht war, sondern von Zuständigkeit fürs Kommende. Du weißt nicht wirklich, wozu du fähig wärest, änderten sich die Verhältnisse nur um ein entscheidendes Quäntchen Druck und Fanatismus. Das ist die Qualität und das Kreuz einer offenen Gesellschaft: Sie hat Zukunft nur, wenn sie den Rückblick als offene Wunde begreift. Der Wert einer Demokratie erweist sich in der immer wieder zitternden Erinnerung daran, dass sie sich aus Blutsümpfen ins Freie rettete.
Vor der Vorstellung hatten Neustrelitzer Schülerinnen in den Gängen, auf den Treppen Zeugenberichte von damals gegeben, hatten Mahn- und Warntexte gesprochen. Im stärker werdenden Gewusel der Premierengäste, im Stimmengewirr. Hauptsächlich leise. Also: beachtet, und auch wieder nicht beachtet. Sehr leise. Und somit eine kleine Inszenierung von Wahrheit: Allzu gern geht das Wort der Opfer unter.


nachtkritik.de
Mi 18.02.2015
Stammtisch der Mörder-Bürokraten von Hartmut Krug

Die Wannseekonferenz – In Neustrelitz wird das Dokumentartheaterstück von Paul Mommertz authentisch ausstaffiert

Sie kommen aus unserer Mitte, die mehr als ein Dutzend Männer in weißen Hemden, die zu Beginn mit Scheinwerfern aus dem Publikum geholt werden. Jeder stellt sich kurz vor, mit Namen, Herkunft, Funktion und Position, – und mit einem Statement, das Sinn- oder Verteidigungsspruch sein kann. Unterstaatssekretär Martin Luther aus dem Auswärtigen Amt und Reinhard Heydrich, Chef der Sicherheitspolizei und des SD, liefern den gedanklichen Rahmen, in dem sich die Teilnehmer der sogenannten "Wannsee-Konferenz" bewegen. "Was sind schon ein paar Millionen Tote, wenn ich Karriere machen kann", erklärt Luther, während Heydrich dekretiert: "Die Geschichte schreibt nicht mehr der Jude, sondern wir. Und so, dass der Jude darin nicht mehr vorkommt."
Bemühung um Authentizität
Nach diesem zeigefingrigen Einstieg finden sich die Schauspieler aus unserer Mitte in historischen Kostümen auf der Bühne zwischen zwei Hakenkreuzfahnen an drei Konferenztischen zusammen. Paul Mommertz' dokumentarisches Stück über die Konferenz, in der am 20. Januar 1942 in einer Villa am Wannsee in Berlin die Modalitäten für die Organisation der "Endlösung der Judenfrage", also den Holocaust, besprochen wurden, kam zuerst 1984 als weltweit beachtetes Fernsehspiel heraus. Die Theaterfassung wurde 1988 in Wien uraufgeführt. Sie wirkt wie eine genaue Rekonstruktion, ist aber eine Konstruktion aus vielerlei Material, vor allem aus den Fakten des Originalprotokolls der Konferenz und aus Eichmanns Aussagen während seines Prozesses in Jerusalem.

"Wannseekonferenz" mit allen dazugehörigen Zeichen
Die Neustrelitzer Inszenierung bemüht sich um Authentizität. Eine andere Inszenierung des Stücks von Historikern anlässlich des 70. Jahrestages der Wannseekonferenz, die am Ort der Konferenz und im Berliner Maxim Gorki Theater gezeigt wurde, spielte die Konferenz nicht nach. Dort ging es stattdessen um eine "nüchterne" Montage der Fakten und Dokumente. Das war anstrengend, aufregend und aufklärend.
"Achte auf dich!"
Der redliche Neustrelitzer Versuch ist dagegen auf skurrile Weise auch unterhaltsam mit seiner Ausmalung der Schrecken der Biederkeit. Er tut nicht wirklich weh, auch wenn er uns über die schrecklichsten Sachen informiert. Schon allein, wie die Regisseurin die Begrüßungsrituale mit ihren Hackordnungen inszeniert, wie sie Konflikte zwischen einzelnen Tagungsteilnehmern aufbaut, wie sie Figuren individualisiert, das bringt uns diese bürokratischen Massenmörder auf merkwürdige Weise näher. Nicht sympathischer, nicht verständlicher. Aber doch erklärlicher. Eben lehrstückhaft.
Dabei moralisiert die Inszenierung deutlich und scheint zu warnen "Achte auf Dich, in Deiner Seele könnte der Nazi schlummern." Wir sehen Bürokraten bei der Arbeit, die auch Manager bei einer Vorstandssitzung sein könnnen. Hier wird nicht der längst begonnene Holocaust, sondern seine effektivste Organisation besprochen. Es ist eine Versammlung von Männern mit Einfluss und Eitelkeiten. Wie jeder auf seinen Einflussbereich, auf die Rechte seiner Institution pocht und um seine Position in der Rangordnung kämpft! Es ist ein Fest der Eitelkeiten von wichtigtuerischen Karrieristen ohne jede menschliche Regung. Dabei geht es immerhin um die Deportation der gesamten jüdischen Bevölkerung Europas in den Osten zur dortigen Vernichtung.

Führer und Mitläufer
Doch die Begriffe Mord und Tote werden vermieden. Also redet man von Organisation, sucht Definitionen (Wer ist Halbjude? Wen kann man gebrauchen?), erklärt Vernichtungsarten und bestimmt Opfergruppen. Einwände kommen nicht aus humanen Gründen, sondern aus "arbeitstechnischen". Gegen die massenhafte Erschießung von Juden wird nicht generell, sondern praktisch argumentiert: Die Munition brauche man doch für die kämpfenden Soldaten! Und der Bahntransport der Juden in den Osten wird akzeptiert, weil die Züge bei der Rückkehr russische Zwangsarbeiter transportieren könnten.

Stammtisch mit Endlösung und Zigaretten
Die Inszenierung führt uns geschickt ein Typenarsenal von Führern und Mitläufern, von Egomanen und Biedermännern vor. Am interessantesten in seiner Ambivalenz Heydrich, eine eitle blonde Bestie, die das Führer-Prinzip imitiert, so amoralisch wie machtbewusst. Als Einpeitscher ein geschickter Taktiker, kann er sowohl jovial wie drohend sein. Die hübsche Protokollantin wird von ihm locker angebaggert.
Ansonsten geht es eher wie am Stammtisch zu. Kognak und Häppchen werden gereicht, und Zustimmung wird mit dem Klopfen auf die Tische oder kräftig-grölender Heiterkeit gezeigt. Es ergibt sich im Gesamtbild eine theatrale Informationsveranstaltung – die vom ausverkauften Haus mit viel Beifall belohnt wurde.

Kritikenrundschau
Am Ende fröstele es den Zuschauer, "denn es wird noch einmal deutlich, dass hier keine Roboter am Werk waren, selbst wenn man es denken könnte, wenn man sie lapidar und beiläufig über Leben und Tod schwätzen hört, als ginge es um die Steigerung der Produktion und des Umsatzes einer Firma", schreibt Marcel Auermann im Nordkurier (16.2.2015). Diese "Wannseekonferenz" kombiniere Fabulierlust mit Feixerei und giftiger Debattiererei. Fazit: "Tiefgehend, ergreifend, verstörend, erschreckend und aufrüttelnd" ist das auf die Bühne gebracht.


Nordkurier / Kultur
So 15.02.2015
15 Menschen, die in 90 Minuten Unmenschliches tun von Marcel Auermann

Was Theater kann, wie sehr es Zuschauer ins Mark trifft und wie schwer Schauspielkunst ist, das zeigt Regisseurin Isolde Wabra mit ihrer Version der „Wannseekonferenz“.
Wenn das Stück schon zu Ende ist, wenn die Schauspieler ihre letzten Sätze gesprochen haben, sich der Hintergrund vom blutigen Rot ins tödliche Schwarz verfärbt, nicht erst dann, aber vor allem dann schaudert, fröstelt es den Zuschauer. Weil diese 15 Menschen, die sich in den vergangenen 90 Minuten mit ihren Plänen von der Tötung von elf Millionen Juden zu Monstern redeten, wieder in die Gesellschaft eintauchen. Genau so, wie sie am Anfang aus den Stuhlreihen im Publikumssaal aus der Masse heraus auftauchten. Es wird einem noch einmal deutlich, dass hier keine Roboter am Werk waren, selbst wenn man es denken könnte, wenn man sie lapidar und beiläufig über Leben und Tod schwätzen hört, als ginge es um die Steigerung der Produktion und des Umsatzes einer Firma.
„Die Wannseekonferenz“, die am Wochenende in Neustrelitz ihre Premiere erlebte, kombiniert unglaubliche Fabulierlust mit Feixerei und giftiger Debattiererei. Wenn dazu die Schauspieler noch ihren Cognac im bauchigen Glas schwenken und ihren Imbiss in sich hineinstopfen, wird einem speiübel. Das Stück dauert wie die Originalversammlung vom 20. Januar 1942 rund 90 Minuten. Und es reicht. Mit jeder Minute wird einem schlechter, flauer im Magen. Man schüttelt den Kopf über all die Aussagen. Da fallen Sätze wie „Was sind schon ein paar Millionen Tote, wenn ich Karriere machen kann“ oder „Die Geschichte schreibt nicht mehr der Jude, die schreiben jetzt wir – und zwar so, dass der Jude darin nicht mehr vorkommt“.
Es tut einfach weh, so sehr weh. Es ist alles abscheulich, abstoßend, grauenvoll. Etliche im Publikum verkrümeln sich in ihrem Sitz, sind fassungslos, halten sich die Hand vor den Mund. Das alles ist wahr und das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte.
Dem Zuschauer stehen die Tränen in den Augen
Um zu verstehen, was das Dokumentarstück nicht nur mit dem Publikum, sondern auch mit den Darstellern anstellt, muss man beim Schlussapplaus vor allem in das Gesicht von Johannes Stelzhammer schauen. Er verkörpert Reinhard Heydrich, den Chef der Sicherheitspolizei und des SD. Die anderthalb Stunden, die er ununterbrochen auf der Bühne steht, herrschsüchtig, kaltschnäuzig einen unmenschlichen Menschen gibt, scheinen ihm alle Kraft zu kosten. Müde, erschöpft, fast weggetreten steht er an der Rampe. Diese Rolle als Brüll- und Kampfmaschine nimmt ihn mit, macht ihn fertig. Vermutlich zerreißt es ihm innerlich das Herz – ganz so, wie dem Zuschauer über all diesen rassistischen Wahn ab und an die Tränen in den Augen stehen. Aber nur deshalb kann Stelzhammer so brillant sein. Selten besetzte das Theater Neustrelitz eine Rolle dermaßen fabelhaft.
Aus der Riege des großen 15-köpfigen Hauptensembles stechen noch weitere hervor. Alexander Mildner verkörpert einen sehr unsicheren Staatssekretär Joseph Bühler, der innerlich mit sich zu kämpfen hat und von Zweifeln zerfressen ist, aber letztlich doch nicht Nein sagt und den skrupellosen Weg mitgeht. Mildner spielt die Nervosität und Verstörtheit ununterbrochen, selbst wenn das Augenmerk der Szenen nicht auf ihm liegt. Das ist große Schauspielkunst.
Ergreifend und verstörend inszeniert
Es mag einem missfallen, dass Autor Paul Mommertz aus Wilhelm Stuckart, dem SS-Gruppenführer und Staatssekretär des Reichsinnenministeriums, eine Art Widerstandskämpfer machte. Aber Thomas Pötzsch trifft diese Zwiespältigkeit auf den Punkt. Ähnlich spiegelt sich das Können in Michael Kleinerts Ministerialdirektor Wilhelm Kritzinger. Michael Goralczyk als SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann könnte noch kantiger, aggressiver agieren. Völlig blass bleibt leider Sven Jenkel als Unterstaatssekretär Martin Luther.
Isolde Wabras Inszenierung bedeutet schwere Kost für den Zuschauer. Er weiß am Ende nicht, ob er klatschen soll. Es wäre vermutlich auch eine große Verneigung vor der Ensembleleistung, wenn er einfach aufstehen würde und gehen. So tiefgehend, ergreifend, verstörend, erschreckend und aufrüttelnd bringt Wabra „Die Wannseekonferenz“ auf die Bühne. Man muss sie gesehen haben, weil sie ins Herz sticht. Wow, das ist Theater!

Regie Isolde Wabra (R.) Dramaturgie Katrin Kramer mit Axel Rothe| Michael Goralczyk| Wolfgang Grossmann| Sven Jenkel| Michael Kleinert| Thomas Pötzsch| Fabian Quast| Dirk Schmidt| Johannes Stelzhammer| Arno Sudermann| Isolde Wabra | Peter Udo Gensch, Hans Michael Hoffmann, Lür Jaenike, Peter Heller, Rolf Klippel, Lothar Missuweit, Roland Ott, Heinz-Peter Ulbrich, Diethard Wegner, Nico Eisbrenner, Vincent Brusdeylins   |   Ausstattung: Oliver Opara