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Aschenputtel - La Cenerentola | Stückbeschreibung | Presse
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Nordkurier / Kultur
Mo 24.03.2014
Umjubelte Opernpremiere in Neustrelitz von Frank Wilhelm

Aschenputtel singt und spielt alle an die Wand

Spätestens seit dem Kultfilm "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" wissen wir, dass das Aschenputtel - anders als im Grimmschen Märchen - von Anfang an dominieren kann - trotz Armut, Arbeit und der Arroganz der Stiefschwestern.
Gioaccino Rossini war das wohl schon viel früher bewusst. Auch wenn Rossinis Oper "Le Cenerentola" schon mehr als 300 Jahre auf dem Buckel hat, kommt sie mit einer herrlichen Leichtigkeit daher. Die Handlung lebt auch von etlichen Intrigen und Verwechslungen. Der berühmte italienische Komponist stellt seine "Cenerentola" vom ersten Ton an in den Mittelpunkt.
Sie schmeißt nicht nur den Haushalt im heruntergekommenen Palast des Don Magnifico, Baron von Montefiascone (Ryszard Kalus), sie ist auch mit Abstand die bodenständigste und klügste Person der Familie. Ihre Stiefschwestern Tisbe (Dorothee Schlemm) und Clorinda (Yvonne Friedli) trachten allein danach, sich Don Ramiro, dem Fürsten von Salerno an den Hals zu werfen.
Die schöne Angelina beherrscht die Bühne.
Diese Konstellation nehmen Wolfgang Lachnitt (Inszenierung) und Jörg Pitschmann (musikalische Leitung) in ihrer Inszenierung für das Landestheater Neustrelitz gerne auf. Mit Lena Kutzner als Angelina haben sie eine Sängerin für die Titelrolle gefunden, die körperlich und musikalisch die Bühne beherrscht. Sie spielt und singt nicht nur ihre Schwestern an die Wand. Sie zeigt auch bewundernswerte Präsenz im Zusammenspiel mit dem Hofstaat des Fürsten von Salerno. Andrés Felipe Orozco wirkt als Don Ramiro etwas schmächtig, macht den Nachteil aber durch brillanten Gesang mehr als wett.
Schon ganz zum Anfang treffen Aschenputtel und ihre Prinz aufeinander. Beim ersten Blick ist klar, hier hat's gefunkt. Die folgende gemeinsame Arie gehört zu den schönsten Partien der Oper, die in der deutschsprachigen Version geboten wird.
Der kluge Philosoph hält die Fäden in der Hand.
Natürlich passiert erst noch jede Menge, ehe sich die beiden finden. "La Cenerentola" ist schließlich als komische Oper ausgewiesen. Rossini soll die Musik in 24 Tagen komponiert haben, Jacopo Feretti die passenden Verse in nur 22 Tagen. Aus dieser kurzen Produktionszeit resultiert wohl auch die Leichtigkeit, die sich durch die kurzweilige Handlung zieht.
Über die eingebauten Gags kann das Publikum auch noch drei Jahrhunderte später lachen. So wechselt Don Ramiro Jacke und Rolle mit seinem Diener Dandini (sehr überzeugend Robert Merwald), um die Stiefschwestern zu prüfen. Herrlich, wie sich Dandini und Don Ramiro in ihrer Intrige die Bälle zuwerfen. Mitten drin der Philosoph Alidoro (souverän Sebastian Naglatzki), der die Fäden des Geschehens in den Händen hält.
"Wunderbar", meint nach dem Finale nicht nur Margit Jeworatzki aus Neustrelitz, seit Jahrzehnten zum Stammpublikum des Theaters gehörend. Minutenlangen Beifall und Bravo-Rufe gibt es nach der Premiere. Verdienter Lohn für eine überzeugende Ensembleleistung, in die auch die Musiker der Philharmonie, die singenden und spielenden Herren des Opernchores und die Kulissenbauer um Bernd Franke einbezogen werden müssen.


Nordkurier / Kultur
Mi 19.03.2014
Angelinas Traum vom Glück von Matthias Dieckhoff

Die Geschichte vom armen Mädchen, das am Ende ihren Prinzen kriegt, wurde schon oft erzählt. Und doch ist sie immer wieder schön. Den Beweis will am Wochenende das Landestheater Neustrelitz liefern.
Angelina ist ein durch und durch positiver Mensch. Halte durch, sagt sie sich immer wieder, wenn sie von ihren beiden bösen Stiefschwestern beschimpft und gedemütigt wird. Denn am Ende wird ja alles gut, da ist sie sich sicher. Und sie behält damit auch recht. Denn Angelina ist eine Gestalt aus einem Märchen, das manchmal Aschenputtel heißt und manchmal Cinderella. In diesem Fall heißt es jedoch „La Cenerentola“ und lieferte die Vorlage für die gleichnamige komische Oper von Gioacchino Rossini, die am Sonnabend im Landestheater Neustrelitz Premiere feiert.
Natürlich wurde die Geschichte schon 1000 Mal in Dutzenden Varianten erzählt, das tut ihr aber keinen Abbruch. Lena Kutzner, die die Angelina singen wird, gerät geradezu ins Schwärmen, wenn sie von ihrer Rolle spricht, von der Reinheit der Seele und dem inneren Leuchten. Aber auch vom Musikalischen her sei das Aschenputtel von Rossini ein Traum nicht nur für sie, sondern auch für die anderen sechs Solisten. Denn der Komponist hat das Stück so ausgeschmückt, dass die Sänger glänzen können.
Und das werden sie nach der Einschätzung von Operndirektor Wolfgang Lachnitt auch, der das Stück in zwei Akten inszeniert hat. Denn sein Credo lautet, die jungen Sänger des Musiktheaters zu fördern, indem er sie fordert, aber nicht überfordert. Aschenputtel, das in Neustrelitz zuletzt vor 20 Jahren gespielt wurde, sei dafür das ideale Stück. Denn es wurde nicht für einen Solisten geschrieben, sondern für das ganze Ensemble. Und es ist musikalisch so spannend und anspruchsvoll mit seinen Brüchen und Überraschungen, dass sich auch alle Sänger entfalten können.
Kostüme und Bühne tragen zur märchenhaften Anmutung bei
Aber die komische Oper ist natürlich auch witzig und spannend für die Zuschauer, verspricht Lachnitt. Und sie ist, obwohl auf einem Märchen basierend, ganz unbedingt auch – oder gerade eben – etwas für Erwachsene. Denn „Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab“ zitiert der Operndirektor aus Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing. Zur märchenhaften Anmutung tragen auch die prachtvolle Ausgestaltung der Bühne und die klassischen Kostüme bei. Und natürlich die mehr oder weniger bekannte Handlung: Während Angelina in Demut ihr Schicksal erträgt, taucht Don Ramiro in Verkleidung im Haus ihrer Familie auf. Der sucht gerade eine Frau für sich und veranstaltet darum einen großen Ball. Als der Ball läuft, sind beide jedoch schon längst verliebt ineinander und Angelina gibt Don Ramiro einen Armreif mit der Aufforderung, sie zu suchen. Und wenn er sie findet und dann immer noch liebe, dann sei sie die Seine.
Bis das passiert, geschieht natürlich noch so Einiges. Und ganz am Ende – so viel sei verraten – kriegen sich die beiden und alles wird gut. Aber das hat Angelina ja schon immer gewusst.
Die Premiere ist am 22. März um 19.30 Uhr im Landestheater Neustrelitz, Großes Haus.

Musikalische Leitung Jörg Pitschmann  |  Regie Wolfgang Lachnitt  |  Ausstattung Bernd Franke  |  Chorleitung Dr. Gotthard Franke  |  Dramaturgie Lür Jaenike  |  MIT: Yvonne Friedli | Ryszard Kalus| Lena Kutzner | Anna Maistriau | Robert Merwald | Sebastian Naglatzki| Andrés Felipe Orozco | Dorothea Schlemm | Herren des Opernchores des Landestheaters | Neubrandenburger Philharmonie