REPERTOIRE   Spielzeit 2017/2018
preview Fotoauswahl (1-10)



Nordkurier / Kultur
Mo 14.04.2014
Ausziehen! Ausziehen! von Marcel Auermann /Gesine Prägert

Es fallen alle, wirklich alle Hüllen! Dieses Theaterstück lässt nackte Tatsachen sprechen! „Ladies Night“, das in Neustrelitz Premiere feierte, setzt voll und ganz auf Unterhaltung.
Der Gang zum Arbeitsamt gerät zur peinlichen Blamage, der Tanzunterricht verkommt zur Ein-Mann-Show einer schwulen Drama-Queen und die zwei Stunden bis alle, wirklich alle Hüllen fallen, pflastert Regisseur Frank Matthus mit Schenkelklopfern, Gags, prolligen Herrenwitzen und eher wenigen feinsinnigen Pointen. Die Besinnung auf wahre Werte wie Zusammenhalt, Freundschaft, Mut und in schweren Zeiten füreinander einstehen findet erst kurz vor dem grandios inszenierten Strip Platz. Dafür aber umso ergreifender.

Das sagt eine Frau zum Strip (von Gesine Prägert)
Der Publikumsliebling:
Westover mit Rautenmuster, das Rhythmusgefühl einer Kartoffel und ein Blick, der Frauenherzen erweicht. Mit dem herrlich trotteligen, aber so liebenswürdigen Muttersöhnchen Norman (Michael Goralczyk) muss man auf seinem Weg ins schlüpfrige Gewerbe einfach mitfühlen. Wie er beim ersten Strip verschämt im Liebestöter, einer knielangen, weißen Baumwollunterhose, auf den Boden starrt – frau möchte ihn in den Arm nehmen. Erst recht, wenn er schluchzt: „Ich krieg das nicht hin. Ihr seid ja richtige Männer.“

Der beste Strip:
Was der harte Dave (Thomas Pötzsch) mit seinen Hüften auf der Bühne anstellt, da staunt frau nicht schlecht. Pogewackel allererster Güte. Sinnlich. Und als das Sextett am Ende in schnittiger Polizeiuniform dem Finale entgegenstrippt, ist die Welt sowieso in Ordnung.

Der größte Lacher:
Wird von …? Na klar, Norman geliefert. Zur Erotik-Nummer „Je t’aime“ präsentiert er seine ganz eigene Stripnummer. Im akkuraten Seit-und-Schließ-Muster tippt er von einem Fuß auf den anderen. Wunderbar ungelenk, schrecklich unbeholfen. Und versucht sich anschließend an eindeutigen Posen am Boden. Das Publikum juchzt vergnügt, von der ersten bis zur letzten Minute. Die Komödie auf einen Lacher reduzieren ist unmöglich.

Die beste Besetzung:
Gibt‘s nicht, denn: Alle waren grandios. Als wären die Figuren einzig und allein für sie geschrieben worden. Ob der pummelige Rocker Barry (Thomas Kornack) oder Strip-Senior Graham (Michael Kleinert). Höhepunkt jedoch: Der homosexuelle, laszive Gavin (Alexander Mildner), für den die letzte Hülle gar nicht schnell genug fallen kann.

Fazit:
Echte, entblößte Männer. Ein Riesenspaß mit ernster Note. Muss frau gesehen haben.

Das sagt ein Mann zum Strip (von Marcel Auermann)
Der Publikumsliebling:
Norman ist ein Muttersöhnchen: naiv, dümmlich, völlig weltfremd. Das weckt beim Publikum die Elterninstinkte. Man möchte diesen völlig verwirrten, schüchternen, unaufgeklärten, vermutlich bis jetzt asexuellen Jungen in Obhut nehmen. Wie Michael Goralczyk als Norman im rosa, ballonseidenen Jogging-Anzug vor seinen Kumpels steht – ein göttlich alberner Anblick.

Der beste Strip:
Den gibt‘s zum Schluss, wenn alle sechs Kerle in Polizeiuniform doch noch eine perfekt choreografierte Nummer hinlegen. Und das, obwohl sie sich zuvor keinen einzigen Schritt merken können, nicht im Takt die Lenden kreisen und die Liebestöter voll haben, weil sie erfahren, dass zum richtigen Strippen eben auch das Zeigen des „Schniedelwutzes“ gehört. Der heißeste Moment des Stücks ist zugleich auch der überraschendste. Toll!

Der größte Lacher:
Gibt es den größten Lacher? Nein, beziehungsweise will man sich gar nicht entscheiden müssen. „Ladies Night“ besteht nur aus Krachern – aus verbalen, aber auch aus mimischen. Zusammen ergeben sich locker-flockig-fluffige 120 Minuten Unterhaltung. Jede einzelne ist ein Genuss.

Die beste Besetzung:
Stößchen! Wenn Alexander Mildner als stockschwuler Gavin das Piccolöchen aus dem Kühlschrank holt, während alle anderen die Bierflaschen ploppen lassen, wenn er geifernd dem gelenkigen Wesley (Axel Rothe) hinterherhechelt und er Norman mir nichts, dir nichts die Zunge in den Hals steckt, dann ist klar: Mildner spielt ohne Scheu. Nichts ist ihm zu abgedreht. Er gibt alles.

Fazit:
Dieses Stück kann und muss man sich mehrfach ansehen, weil man beim ersten Mal vor lauter Lachen gar nicht alles mitbekommt.


Nordkurier / Kultur
Mi 09.04.2014
Eine Kultkomödie über sechs arbeitslose, strippende Männer von Marcel Auermann

„Ladies Night“ ist eine frivole, witzige und zugleich nachdenkliche Komödie, die an diesem Samstag im Landestheater Neustrelitz Premiere feiert. Als Krönung beginnen die sechs Charaktere des Stücks zu strippen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Was liegt also näher, als den Hauptdarstellern im Interview eindeutig zweideutige Fragen zu stellen, ihnen frech, laszive Momente zu entlocken. Klar, dass diese Antworten im Bild festgehalten gehören. Deshalb besteht dieses Gespräch mit den Schauspielern zwar aus Fragen, aber aus keinen Antworten – zumindest keinen verbalen. Lassen Sie sich von den fünf Herren der „Ladies Night“ anmachen und umgarnen. Gute Unterhaltung!

Wann präsentieren sich sechs Männer schon einmal in lasziver, erotischer Pose, lassen sie auf einer Theaterbühne die Klamotten fallen und sind für einen Sekunden-Moment splitterfasernackt zu sehen? Eben drum! Das Erfolgsrezept von „Ladies Night“ offenbart sich dem Zuschauer schnell. Allerdings sollte er nicht den Fehler machen, die Kultkomödie von Stephen Sinclair und Anthony McCarten allein auf die nackten Tatsachen am Ende des Stücks zu reduzieren.
Wer genau hinhört – und, ja, ja, natürlich auch hinschaut – entdeckt in dem Werk Tiefgang, Tragik und viel Sozialkritik. An manchen Stellen bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Von heute auf morgen stehen Dave und seine Kumpels vor dem Nichts, weil ihr Unternehmen dicht macht. Zudem will Daves Ex ihm das Besuchsrecht für seinen Sohn entziehen, da er zu allem Übel mit den Unterhaltszahlungen im Rückstand ist. Die Kumpels sind so verzweifelt, dass sie nicht mehr tiefer fallen können und alles besser scheint, als sich depressiv zu Hause zu verbarrikadieren.
Not macht die sechs Herren erfinderisch. Sie proben den Aufstand gegen das Arbeitsamt. Die tänzerisch völlig unbegabten Männer gründen eine Strip-Gruppe namens „Wilde Stiere“ – und ab geht die Luzie! Kreischende Mädels und viele Lacher inklusive.
Die Komödie des neuseeländischen Autoren-Duos, das auch als Musical und Film unter dem Titel „The Full Monty – Ganz oder gar nicht“ Erfolge feierte, zeichnet die typische Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär nach.
Kontakt zum Autor: m.auermann@nordkurier.de

Regie Frank Matthus Ausstattung Annette Mahlendorf Choreographie Barbara Buser Dramaturgie Katrin Kramer mit Axel Rothe| Michael Goralczyk| Michael Kleinert| Alexander Mildner| Thomas Pötzsch| Dirk Schmidt