REPERTOIRE   Rückschau
Die Zauberflöte | Stückbeschreibung | Presse
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Anzeigenkurier
Mi 20.03.2013
Viel Szenenbeifall im ausverkauftem Saal von Rosemarie Jansen

... Andrea Eisensee hat ein beeindruckendes Bühnenbild mit Säulen, Vorhängen und Perspektiven geschaffen, indem sie bewusst aus dem SchinkelBühnenbild der Berliner Erstaufführung von 1816 zitiert. Die liebevoll gestalteten Kostüme tun ein Übriges.
Als die Fäden spinnende Königin der Nacht kann Judith Spiesser mit spitzem Koloratursopran gefallen. Dem unerfahrenen Tamino, der zum ersten Mal mit weiblichen Reizen und Schlichen konfrontiert wird, verleiht Andrés Felipe Orozco mit seinem warmen Tenor und seinem sympathischen Spiel Gestalt und Kontur. Mit ihrem klaren Sopran gibt Yvonne Friedli der Pamina, die im Laufe der Handlung heranreift und Tamino durch die Feuer und Wasserprobe führt, jugendlich−liebreizendes Selbstbewusstsein. Ein zauberhafter Papageno ist Sebastian Naglatzki. Der Bariton erobert mit guter Stimmführung und mit seinem erfrischenden, komödiantischen Spiel schnell die Herzen der Zuschauer. Einen ganz hervorragenden Eindruck machen Tonje Haugland, Regine Sacher und Dorothee Schlemm als die drei Damen. Sehr überzeugend Robert Merwald als ernster, pflichtbewusster Sprecher und Alexander Geller als schalkhafter Priester. Entzückend Svenja Kruse als Papagena sowie die drei Knaben (Schülerinnen des Musikgymnasiums Demmin).
Eine überzeugende Leistung bringen der Opern− und der Extrachor (Einstudierung: Gotthard Franke) vor allem als Sinn und Weisheit suchende Herrenriege. Die Neubrandenburger Philharmonie ist unter der musikalischen Leitung von Romely Pfund den Sängern ein einfühlsamer Partner, so dass erfreulicherweise auch die Textverständlichkeit recht gut ist. ...
(Auszug)


Nordkurier/Kultur
Mo 18.03.2013
Mit lang anhaltenden Bravorufen (gekürzt) von Peter Buske

... Mit lang anhaltenden Bravorufen dankte das Publikum einer ungewöhnlichen Sichtweise auf die „Zauberflöte“ durch Regisseur Markus Kopf.
Vorhang auf – und über die klassizistisch geprägte Ausstattung von Andrea Eisensee gestaunt, die für ihre Einheitsszenerie Zitate aus den legendären Schinkel-Bühnenbildern zur Berliner Erstaufführung verwendet hat. Die perfekte Perspektivmalerei der Kulissen suggeriert enorme
Bühnentiefe. Raffportieren ermöglichen schnelle Verwandlungen. Die Eingeweihten (statt Priester sind’s nunmehr Gelehrte) tragen streng geschnittene Rokokogewänder und Miniperücken, die anderen Figuren historisierende bis zeitlose Kostüme ohne ablenkenden Schnickschnack. Chapeau!
Den Sängern steht zur Entfaltung ihres Könnens kaum etwas im Wege. Was sie ausnutzen. Allen voran Judith Spiesser, die mit ihrem dramatischen Koloratursopran die exorbitant schwierigen Arien der Königin der Nacht mit virtuoser Attacke und blitzsauberer Höhensicherheit bravourös meistert. Als ihre (Spiel-)Tochter Pamina gestaltet Yvonne Friedli eine sehr selbstbewusste Figur mit Soprankraft (…)
Ryszard Kalus als resoluter, ausdrucksstarker und tiefenbassiger Sarastro oder Sigurd Karnetzki als grauhaariger, von Midlife-Crisis gebeutelter Monostatos. Svenja Kruse als Papagena erweist sich als ein Ausbund an überschäumender Soubrettenspielfreude. Herrlich.
Und auch der klangschön und sonor tönende Opern- und Extrachor (Einstudierung: Gotthard Franke) entspricht den an ihn gestellten Erwartungen. ....
(Auszug)


Nordkurier; Neustrelitzer Zeitung
Fr 15.03.2013
Sechs Mädchen und ein Prinz von Susanne Schulz

Für die Rollen der drei Knaben in der Neustrelitzer „Zauberflöte“ proben Schülerinnen des Demminer Musikgymnasiums mit Tenor Andrés Felipe Orozco.
Standhaft soll er sein! Und duldsam! Und – verschwiegen! Gar eindringlich mahnen sie den Prinzen Tamino, die drei Knaben in Mozarts „Zauberflöte“, die bis zur morgigen Premiere am Neustrelitzer Landestheater eine nicht weniger intensive Probenzeit hinter sich haben. Und zwar zu sechst, denn die Rollen sind doppelt besetzt. Immerhin gehen sie noch zur Schule, die sechs Mädchen, die in der Operninszenierung den Part der Knaben übernehmen.
Fünf von ihnen kommen vom Musikgymnasium Demmin; allein Sannah Raemisch hat als Neustrelitzerin den kürzesten Weg.
Langes Zögern gab es nicht, als die 13- bis 17-Jährigen in der Schule gefragt wurden, ob sie am Neustrelitzer Theater auf der Bühne
stehen möchten. „So was wollte ich auch mal machen“, erzählt Friederike Krüger, die ebenso wie Nele Rathmann und Luise Schulz schon bei einem Projekt zur Operette „Orpheus in der Unterwelt“ dabei war. Die langen Schul- und Probentage stecken die Teenager ganz gut weg. „Ich hatte es mir strenger vorgestellt“, bekennt Paula Marie Kokel, „wir haben richtig viel Spaß.“ „Dazu sind die Proben auch da“, bestätigt Tenor Andrés Felipe Orozco, der den Prinzen Tamino singen wird und – auch musikpädagogisch ausgebildet – gleich zu Beginn angeboten hat, mit den Mädchen die Partien der drei Knaben einzustudieren. „So eine Rolle auf der Opernbühne ist schon etwas anderes als ein Solo- oder Chorauftritt weiß der Kolumbianer, der seit 2009 in Neustrelitz engagiert ist. Immerhin müssen die Akteure ihren Part auch in Mimik und Bewegung verdeutlichen. „Wir haben verschiedene Varianten durchprobiert“, erzählt Sannah. Und Orozco weiß sehr gut, wie das szenische Proben das Erlernen der
Rolle erleichtert: „Das Gehirn assoziiert die Bewegung mit den Worten. Wenn durch die Wiederholen Leichtigkeit entsteht, kommt alles andere von ganz allein“, erklärt er.
Und den jungen Künstlern den Spaß an der Sache anzumerken, gefalle schließlich auch dem Publikum.
Auf der großen Bühne fühlt sich dann alles noch mal „viel realer“ an als im Probenhaus, stellt Luise Ohly fest. Und wie gefallen den Mädels die Kostüme? „Geht schon“, meint Sannah, „bisschen schlicht“, kommentiert Luise, und Orozco feixt: „Wartet’s ab, wie alles zusammen wirkt.“ Begeistert von seinen Schützlingen ist er schon jetzt: „Sie sind wirklich alle gleichermaßen gut!“
Ob der Berufsweg zur Bühne führt, lassen die Mädchen noch offen. Für Friederike und Luise kommt vielleicht Schauspielerei in Frage, ein musikalisches Metier können sich die meisten vorstellen. Immerhin erfuhren sie im Neustrelitzer Ensemble, dass viele der Sänger mal als Knaben in der „Zauberflöte“
angefangen haben.


NORDKURIER / Kultur
Mi 13.03.2013
Leidenschaft zwischen Schlange und Schneiderei von Susanne Schulz

Vom Traum von Michelangelo zum Zauber Mozarts: Andrea Eisensee gestaltet Bühnenbild und Kostüme für die Neustrelitzer „Zauberflöte“.

Die Schlange liegt vorm Probenhaus, und am Telefon meldet sich Regisseur Markus Kopf, der ganz begeistert ist von dem – wenn auch noch schuppenfreien – 15-Meter-Tier. „Bin sofort da!“, verspricht Andrea Eisensee, schaut aber vorher noch fix in der Maske vorbei und in der Schneiderei, wo soeben die Zweite Dame ihr Businesskostüm anprobiert. Es darf ruhig ein wenig knapper sitzen und die weiblichen Rundungen zur Geltung bringen, wünscht sie sich – und überhaupt geht’s fröhlich zu, bei allem Zeitdruck: Am Sonnabend ist am Neustrelitzer Theater Premiere für Mozarts Oper „Die Zauberflöte“, für die Andrea Eisensee Bühnenbild und Kostüm entworfen hat.

Abgesehen von den Details, die von Schlange und Schneiderei bereits zu sehen sind, mag die Ausstatterin aber noch nicht preisgeben, was die Zuschauer optisch erwartet. „Lassen Sie sich überraschen“, ermuntert die Thüringerin, die schon als Kind leidenschaftlich gern ins Theater ging, als Jugendliche auch selbst Theater spielte, einen Theaterberuf aber nicht so wirklich im Blick hatte. Ärztin wollte sie werden; der Vater machte ihr Architektur schmackhaft: „Komplexes Können wie bei Michelangelo – diese Vorstellung hat mich begeistert.“

Über eine Baufacharbeiterlehre kam sie also dann zum Architekturstudium – nicht an der nahen Bauhaus-Uni im heimischen Weimar, sondern an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, wo die Begegnung mit den Kommilitonen anderer Sparten sie wiederum auf künstlerische Pfade führte und ein Fachrichtungswechsel möglich wurde. Die „Absolventenlenkung“ nach Altenberg konnte sie 1989 in der neu gewonnenen Wende-Freiheit sausen lassen; die Zusammenarbeit mit Peter Konwitschny in Halle war ihr Einstieg in die Opernwelt und in ein Kollegennetzwerk, das über die Ära des großen Regisseurs hinaus Bestand hatte. In den 90ern folgen noch ein Szenografie-Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg und ein Engagement als Kostümdirektorin am Kleist Theater in Frankfurt/Oder. Seit 1997 ist Andrea Eisensee wieder freischaffend tätig. Aufgaben und Empfehlungen zwischen Dortmund, Kiel, Schwerin, Rostock, Cottbus, Dresden und Oldenburg stehen ebenso zu Buche wie jede Menge Erfahrungen an Berliner „Untergrund“-Theatern oder ihre Arbeit als Set-Dresserin für den Film „Good bye, Lenin“.

Während jener Zeit empfahl ihr die ZBF (Zentrale Bühnen-, Fernseh- und Filmvermittlung) den Kontakt zu Markus Kopf: Was der damals als Schauspielchef an den Städtischen Bühnen Münster in Bewegung brachte, interessierte die Bühnenbildnerin, die allerdings von der Film-Arbeit nur mal auf eine halbe Vorstellung in Münster vorstellig werden konnte. Aber die Chuzpe ihres hastigen Vorstellungsgesprächs gefiel ihm wohl: Brechts „Dreigroschenoper“ und Shakespeares „Sturm“ wurden gemeinsame
Arbeiten, und Jahre später kam der Regisseur nun erneut aufsie zurück.
Die Neustrelitzer „Zauberflöte“ ist nicht ihre erste, „aber die erste richtige“, meint Andrea Eisensee, die in den 90ern in Halle schon mal eine Version für Kinder und 2012 an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock eine Inszenierung des Librettos mitgestaltet hat. Als „tolles Stück mit toller Musik“ erlebt sie die Mozart-Oper und weiß um eine hohe Erwartungshaltung des Publikums, das sie „nicht nur bedienen, aber auch nicht vor den Kopf stoßen“ möchte. Da darf Theater denn auch wenn nicht gleich zaubern, so doch eingefahrene Perspektiven verschieben,
vermeintlich Bekanntes anders zeigen, emotionale Momente schaffen – „einfach Dinge zusammenführen, die uns berühren“.

Musikalische Leitung: Romely Pfund/ Jörg Pitschmann  |  Regie Markus Kopf  |  Ausstattung Andrea Eisensee  |  Chorleitung Dr. Gotthard Franke  |  Dramaturgie Lür Jaenike  |  MIT: Marion Costa| Laila Salome Fischer | Yvonne Friedli | Alexander Geller | Margret Giglinger | Ryszard Kalus| Svenja Kruse | Lena Kutzner| Bernd Könnes| Robert Merwald| Sebastian Naglatzki| Andrés Felipe Orozco| Angelo Raciti| Rebekah Rota| Regine Sacher | Opernchor | Herren des Extrachores | Statisterie des Landestheaters | Knaben: Sannah Raemisch, Johanna Luise Kurzmann, Celyna Reichel | Neubrandenburger Philharmonie