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Das Land des Lächelns | Stückbeschreibung | Presse
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Nordkurier / Kultur
Mo 04.07.2011
Ein Liebestraum wird zum Alptraum von Peter Buske

Neustrelitz erlebt einen umjubelten Open-Air-Start in die erste Saison der Festspiele im Schlossgarten mit Lehárs "Das Land des Lächelns"

Neustrelitz. Vor mittlerweile elf Jahren organisierte das Landestheater Neustrelitz letztmalig die publikumsbeliebte Franz Lehár-Tour in "Das Land des Lächelns", nach Fernost. Nun hat es sich für den Startschuss der von ihm veranstalteten sommerlichen "Festspiele im Schlossgarten" (zuvor "Schlossgartenfestspiele Neustrelitz") wieder an das Werk erinnert. Als operetten- und freilufterfahrener Reiseleiter fungiert diesmal Jürgen Pöckel, der mit einer entstaubten und dramatisch aufgewerteten Inszenierung dem gefühlsträchtigen Bühnenhit einen guten Dienst erwiesen hat. Er nimmt die Vorlage von Anfang bis Ende beim Wort, erhebt nie den aktualitätssüchtigen Zeigefinger, um die brisante Begegnung zweier unterschiedlichster Kulturen nebst ihren tragischen Folgen höchst gegenwärtig und spannend zu erzählen. Mit lang anhaltendem Beifallssturm wurden er und seine "Animateure" von der 1000-köpfigen "Reisegruppe" am Freitag bei ziemlich kühlen Temperaturen stürmisch gefeiert.

Dazu passt die kühle, stilisierte, aber dennoch atmosphärisch dichte Ausstattung von Roy Spahn. Was mögen die mit farbenprächtigen Roben leicht bekleideten Darstellerinnen auf der Bühne gebibbert haben! Ihrer Spiellaune tut es keinen Abbruch. Charakter- und standesgerecht eingekleidet sind auch die Herren aus Wiener Adelskreisen und die Personage im kaiserlichen Peking. Stilsicher hat er auch die Spielräume gestaltet: einen mit grün-goldenen, medaillongeschmückten Gittern begrenzten k.u.k.-Grafenpalast; einen mit chinatypischen Toren und Lampions angereicherten Kaiserpalast. Stets präsent ein begehbarer chinesischer Schrank mit einer Buddhastatue darinnen - origineller Regieeinfall für den grenzüberschreitenden Verkehr von Wien nach Peking und retour. In und aus ihm quillt fast unaufhörlich Rauch. Synonym für den Rausch der Sinne?

Geschenkt bekommen hat ihn die Grafentochter Lisa von ihrem Verehrer Prinz Sou-Chong, der als Diplomat in Wien weilt. Er lernt sie (publikumswirksamer Auftritt durch den qualmenden Schrank) auf einem Fest kennen, verliebt sich in sie, macht ihr einen Heiratsantrag nebst Übersiedelungsaufforderung ins Reich der Mitte, da er dort als neuer Ministerpräsident dringlich erwartet wird. Berauscht von so vielen Dingen, ruht sie sich auf einer Ottomane aus, um wenig später wie entrückt aufzustehen und in die Szene zurückzukehren. Ihre Beine lässt sie für die restliche Spielzeit von insgesamt knapp drei Stunden sichtbar zurück. Der Theaterkenner ahnt: ein alter Bühnentrick für Traumdarstellungen. Nach liebestragischem Stückende findet Lisa auf die Ottomane und in die Wirklichkeit zurück, verabschiedet huldvoll den Prinzen in die Heimat. Schließlich hat sie im Traum, der ihr zum Alptraum wird, erleben müssen, was ihr in Fernost an Liebesleid und Fremdenhass widerfahren wird.

"Halte die Gesetze unserer Ahnen in Ehren, sonst fürchte ihren Zorn", fordert geifernd der gebrechliche, erzkonservative Priesterchef Tschang (beklemmend brutal: Robert Merwald) von seinem zurückgekehrten Prinzen-Neffen Chou-Song. Der hatte sich in Wien wehmütig an seine Heimat erinnert ("Immer nur lächeln"), ist europafreundlich eingestellt, will China reformieren, scheitert jedoch. Alexander Geller gestaltet diesen Zwiespalt auf ergreifende Weise, begeistert in seiner liebesfeurig, strahlend und schwelgend vorgetragenen Bekundung "Dein ist mein ganzes Herz" und anderen Arien. Dabei verströmt er Schmelz, ohne dabei des tenoralen Schmalzes zu bedürfen. Nicht weniger hinreißend kündet die natürlich agierende und singende Tonje Haugland als Lisa von den Liebesfreuden und Liebesqualen eines unverstandenen Menschen in fremdem Land. Auch das Buffopaar ist hervorragend besetzt. Andrés Felipe Orozco gibt einen feschen, dialogwitzigen und leichstimmigen Gustav Graf von Pottenstein, genannt Gustl. Susanne Ellen Kirchesch als emanzipierte, dann seelisch gebrochene Prinzenschwester Mi steht ihm in der Intensität ihrer Rollengestaltung in nichts nach. Doch auch die Chargenrollen sind vorzüglich besetzt. Zum wie stets von Gotthard Franke vorzüglich einstudierten, mit Hingabe mitwirkenden Opernchor gesellen sich Mitglieder der Deutschen Tanzkompagnie (Choreographie: Bronislav Roznos), eine reich beschäftigte Komparserie sowie ein Kaltblut vom Reiterhof Stör, auf dem Tonje Haugland zum Gaudi des Publikums in die Szene einreitet.

Großes Hörvergnügen bereiten die Neubrandenburger Philharmoniker unter Leitung von Romely Pfund. Von allen Schlacken einer überlieferten Lesart befreit, tönt Lehárs Musik schlank, frisch und präzise, dann wieder schmachtend, melancholisch und dramatisch aufgeladen, was der facettenreichen Inszenierung die nötige farbenreiche, fernöstlich kolorierte Umhüllung gibt. Um die per neuer Tontechnik verstärkten Klänge genießen zu können, sollte man möglichst weit in der Mitte sitzen, denn dort gibt?s tatsächlich breit gefächerten, unverzerrten Lehársound zu hören - seitwärts weit weniger.


Nordkurier / Kultur
Di 21.06.2011
Heiter, lyrisch, frech im Duett von Susanne Schulz

Susanne Ellen Kirchesch und Andrés Felipe Orozco sind Dritte des Europäischen Duett-Festivals. Im Juli stehen sie auf der Neustrelitzer Freilichtbühne.

Sänger aus Poznan und aus St. Petersburg erwiesen sich als die Besten Europas - und aus Neustrelitz: Susanne Ellen Kirchesch und Andrés Felipe Orozco, beide am Landestheater engagiert, sind mit einem 3. Preis heimgekehrt vom II. Europäischen Festival für Operetten- und Musicalduette im polnischen Poznan. Und mit vielen Eindrücken: "Ich war überrascht, was für eine große und moderne Stadt Poznan ist", sagt Orozco, beeindruckt auch vom dortigen Opern- und vom Operettentheater mit einem Repertoire von großen italienischen Opern über "Die Csardasfürstin" bis hin zum "Phantom der Oper".

Im Operettenhaus fand der Wettbewerb statt, zu dem unter allen Bewerbern (die sich mit DVD-Aufnahmen vorgestellt hatte) 20 Paare eingeladen worden waren. Viele davon kamen aus Osteuropa, aus dem Gastgeberland natürlich, aus Russland, aber auch aus der Türkei. So wurden in der Musikauswahl auch unterschiedliche Mentalitäten deutlich: Die osteuropäische Seele zeigte sich "wenn man's nett ausdrückt romantisch und wenn man?s nicht so nett ausdrückt kitschig", erzählt Susanne Ellen Kirchesch, die seit 2007 zum Neustrelitzer Ensemble gehört und hier bereits Partien sang wie Musetta in "La Bohème", Sally Bowles in "Cabaret" und zuletzt die Susanna in Mozarts "Hochzeit des Figaro". Für das Festival hatte die Sopranistin gemeinsam mit ihrem Bühnenpartner Andrés Felipe Orozco Duette zum Beispiel aus "Gasparone", "Die lustige Witwe" und "Wiener Blut" ausgewählt. "Wir wollten eine schöne Mischung aus Heiterem, Lyrischem und Frechem."

Und dann gab es doch noch eine Überraschung: Die Sänger hatten vermutet, dass sie konzertant auftreten würden. Doch wie bei einer Musiktheater-Aufführung saßen die Musiker im Orchestergraben, und die Wettbewerbsteilnehmer wurden befragt, was für Kostüme oder Requisiten sie denn gern aus dem hauseigenen Fundus hätten, um ihre Darbietungen szenisch einzurichten. Die Neustrelitzer indes entschieden sich dann doch gegen eine "Verkleidung" und verabredeten lediglich etwas Choreografie. Ihre Professionalität jedenfalls kam an: Orchester und Dirigent - "sehr musiktheatererfahren, sehr aufmerksam gegenüber dem Gesang", loben die Neustrelitzer - sahen das Duo als Favoriten an. Ein bisschen Wehmut, aber nur ein kleines bisschen, mischt sich daher in die Freude über den 3. Platz. "Dies ist ein wichtiger internationaler Wettbewerb; eine Bestätigung, auf dem richtigen Wege zu sein", findet Orozco, dessen musikalische Laufbahn in seiner kolumbianischen Heimatstadt Cali begann. An der Musikhochschule Köln hat er seine Ausbildung fortgesetzt und kann bereits auf Auszeichnungen verweisen wie den Jacques-Offenbach-Preis und das Richard-Wagner-Stipendium der Bayreuther Festspiele. Auch Susanne Ellen Kirchesch war unter anderem schon beim Euriade Vocal Concours, beim Wettbewerb der Kammeroper Schloss Rheinsberg und beim "Concours Musical International de Montréal" in Kanada erfolgreich: Wettbewerbe für Duos indes gibt es sehr selten. Bei einem solchen Festival neben Künstlern bedeutender europäischer Bühnen zu bestehen, ist von unschätzbarem Wert auch für ihr Neustrelitzer Theater. Das Festival war für sie "eine gute Erfahrung, um die eigene Leistung einzuschätzen - und wir hatten Spaß daran", resümiert Tenor Orozco.

Und diese Erfahrung beflügelt: In der ersten Probe nach dem Festival "hatte ich das Gefühl, dass wir noch mehr als vorher ,gleich schwingen?", stellt Susanne Ellen Kirchesch fest. Davon überzeugen kann sich das Publikum bei der diesjährigen Freilicht-Operette "Das Land des Lächelns" im Neustrelitzer Schlossgarten: Die Essenerin und der Kolumbianer singen das chinesisch-österreichische Buffopaar Mi und Graf Gustav von Pottenstein.


Nordkurier / SZ und MÜR
Mo 21.02.2011
Schlossgarten lädt zur Reise nach China von André Gross

Eine in seiner Geschichte wohl bislang einmalige Verwandlung wird der Neustrelitzer Schlossgarten in diesem Sommer erleben. Die Freilicht-Inszenierung der Lehár-Operette "Land des Lächelns" entführt die Zuschauer zunächst für einen Akt nach Wien, und dann für die übrigen zwei Akte in das Reich der Mitte nach China.
"Wir haben bei unseren Überlegungen entgegen früheren Jahren größten Wert darauf gelegt, den Garten wieder offener zu nutzen, ihn nicht zuzubauen, mi einer gewissen Leichtigkeit in der Kulisse zu arbeiten", sagte Regisseur Jürgen Pöckel, der am Freitag Nachmittag gemeinsam mit Bühnenbildner Roy Spahn im Landestheater eine Pressekonferenz gab.
Gespielt wird vor Gitterelementen, die den Blick frei durch das denkmalgeschützte Ensemble streifen lassen, auch einmal zum Käfig werden. Entsprechende Dekorationen wie etwa sprießender Bambus, löwenbesetzte Podeste oder Lampions verhelfen der Grünanlage dann zu ihrer Metamorphose von der europäischen zur asiatischen Architektur. Pröckel und Spahn vermochten es, ihre Vorstellungen am Modell eindrucksvoll zu demonstrieren und Vorfreude auf die Aufführungen vom 1. bis 24. Juli zu wecken.
Die Kostüme werden die Reise vom grauen, verstaubten Wien ins bunte, verheißungsvolle China unterstreichen. Chor und Ballett sind dabei in die Handlung einbezogen, das war schon bei früheren Arbeiten Pöckels im Neustrelitzer Schlossgarten sein Ansatz. "Die natürliche Tageszeitveränderung, gepaart mit der uns zur Verfügung stehenden Lichtechnik, wird für weitere tolle Effekte sorgen", kündigte Spahn an. Letztlich bleibt nun auch die schon angestammte Schlosskulisse im Hintergrund stehen, wird aber farblich aufgearbeitet, nachdem die Witterung doch kräftig an ihr genagt hat.
Jürgen Pöckel bezeichnete "Land des Lächelns" als ein "sehr großes, opulentes Stück, das die Schaulust des Publikums befriedigt". In der Fassung von 1929 stehe es am Endpunkt der Entwicklung der Operette, sei ein "ausgesprochen gehaltvolles und intelligentes Meisterwerk, das wir im Schlossgarten leisten können".
Unter Bezug auf die Gegenwart merkte der Regisseur an, dass es Zeit sei, sich auch im Neustrelitzer Schlossgarten mit dem Thema China auseinanderzusetzen.
Als positiv hob Pöckel hervor, dass das Publikum nachdenklich aus der Operette entlassen werde.
Dieter Köplin, Künstlerischer Betriebsdirektor der Theater und Orchester GmbH, informierte zudem darüber, dass die Partien der Lisa und des Prinzen Sou-Chong doppelt besetzt werden.
Den weiblichen Part teilen sich dann Tonje Haugland und Rebekah Rota, für den männlichen wurden Alexander Geller und James Elliot verpflichtet.

Regie Jürgen Pöckel Ausstattung Roy Spahn Chorleitung Dr. Gotthard Franke mit Robert Merwald| Andrés Felipe Orozco | Dieter Köplin | Opernchor  |  Extrachor  |  Komparserie des Landestheaters Neustrelitz  |  Reiterhof  |  Deutsche Tanzkompanie Neustrelitz  |  Dramaturgie: Chantal Obermair  |  (Choreografie: Bronislav Roznos)  |  Neubrandenburger Philharmonie  |  Musikalische Leitung: Frank Obermair / Romely Pfund