|
Marstall Neustrelitz
Der Marstall am Schlossgarten in Neustrelitz wurde 1870-72 nach Plänen des 1869 verstorbenen Baurats Friedrich Wilhelm Buttel unter Verwendung von Motiven der englischen Gotik als Gestüt des Großherzogs errichtet.
Der Marstall selbst beherbergte drei Reithallen, Stallungen und Wohnungen für die Pferdeknechte und Kutscher. Nach der Novemberrevolution 1918/19 bestimmte der Freistaat Mecklenburg-Strelitz die Verwendung der baulichen Anlagen neu. Das Landestheater bezog für seine Werkstätten wie Malsaal und Tischlerei einen Flügel der Anlage.
In der Zeit von 1934 bis 1944 nutzte die Führerschule des Hochschulinstituts für Leibesübungen Berlin die Gebäude als Turnhallen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte der Marstall zu einem durch die Sowjetarmee genutzten Gelände, bevor er um 1957 wieder zur Nutzung als Turnhalle zurückgegeben wurde.
Mit der Teilsanierung durch das Land Mecklenburg-Vorpommern, die zurzeit noch andauert, bekam der Marstall sein ursprüngliches Gesicht teilweise wieder zurück, wie die Säulenreihen im Südflügel zeigen. Eine angestrebte Nutzung als Museum kam nicht zustande.
Zwischen September und November 2004 wurde der Marstall wieder zu neuem Leben erweckt. In einer beispielhaften Aktion aus Wirtschaft, Politik und Kultur ermöglichten die Beteiligten der "Interessengemeinschaft Künstlerische Erschließung Marstall", dass das Gebäude wieder eine Zukunft als Theaterspielort bekam: der Neustrelitzer Gerüstbauer Bernd Werdermann sponserte ein Holzpodest als Zuschauertraverse, die Stadtwerke Neustrelitz legten einen Fernwärmeanschluss, die Sanitär- und Heizungsfirma Hauke Runge aus Neustrelitz baute Heizkörper ein, der Betrieb für Bau und Liegenschaften des Landes Mecklenburg-Vorpommern genehmigte unbürokratisch die baulichen Schritte der Bürgermeister der Stadt Neustrelitz Andreas Grund begleitete als Schirmherr gemeinsam mit Dirk Rautmann, dem Amtsleiter für Wirtschaftsförderung und Kultur Landkreis Mecklenburg-Strelitz, das Vorhaben.
Am 19. November 2004 konnte der Marstall wieder klingen: Mit dem Schauspiel-Liederabend "Kauf dir einen bunten Luftballon - Opium für alle" von Oberspielleiterin Annett Wöhlert erdacht und Inszeniert, nahm das Ensemble dieses einmalige Kleinod wieder künstlerisch überzeugend in Besitz.
|