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Die Neubrandenburger Philharmonie
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Aus der Orchestergeschichte (Text: Anke Völker-Zabka)

Kurz nach dem II. Weltkrieg erwachte das Musikleben in der stark zerstörten Vier-Tore-Stadt zu neuem Leben: M. Rätz und F. Skolle gelang es, Musiker aus Neubrandenburg und Umgebung zu einem kleinen Ensemble zu vereinen, das als Städtisches Orchester mit unterhaltsamem klassischen Repertoire und Volksmusik u. a. im Filmpalast auftrat.
Offiziell beginnt die Geschichte der Neubrandenburger Philharmonie Anfang 1951, als nämlich Paul Wenndorff, der damalige Kreisrat für Kultur, Martin Weiland als Dirigenten engagierte. Bereits im März war die Musiziergemeinschaft zu einem kleinen Sinfonieorchester angewachsen. Am 17. Juli 1951 gab das Kreisorchester Neubrandenburg sein erstes öffentliches Konzert. Der neu entstandene Klangkörper setzte sich aus dem Städtischen Orchester Neubrandenburg sowie Mitgliedern der Berufsmusiker-Gemeinschaften Friedland und Woldegk zusammen.
Neben sinfonischen Programmen gehörten in den Anfangsjahren auch Gastspiele mit Kur- und Unterhaltungsprogrammen in Waren /Müritz, in Industriebetrieben und auf dem Lande zum Aufgabengebiet der Musiker. 1953 übernahm Wolfgang Schumann als Kapellmeister die Leitung des Kreiskulturorchesters, so die Bezeichnung seit 1952. In seine Ära fällt die erste Funkaufnahme des Orchesters, die in Murchin entstand. 1957 wurde Hans-Georg Reichert Chef des Staatlichen Kulturorchesters, so der neue Titel. Den 8 bis 10 Sinfoniekonzerten in Neubrandenburg schlossen sich Reprisen in Teterow, Malchin, Anklam und Demmin an. Nach Fertigstellung des Hauses der Kultur und Bildung (HKB) in Neubrandenburg 1965 veranstaltete das Sinfonieorchester außerdem Serenaden im dortigen Serenadenhof. Auch Schul- und Jugendkonzerte gehörten fortan zum Leistungsvolumen. 1959 wurde das Orchester zum Staatlichen Sinfonieorchester Neubrandenburg ernannt.

Von 1967 bis 1979 leitete Hermann-Josef Nellessen das Orchester. Die Zahl der Sinfoniekonzerte wuchs auf jährlich 15 an, die in zwei Anrechtsreihen aufgeteilt wurden. Aus dieser Zeit datiert auch eine Vereinbarung mit der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin, die Studenten Gelegenheit bietet, als Solisten bzw. Nachwuchsdirigenten mit dem Neubrandenburger Orchester zusammen zu arbeiten. Bereits unter Leitung von Fred Buttkewitz, der von 1979 bis 1987 Chefdirigent der Philharmonie war, gas-tierten die Musiker in Bulgarien, Polen sowie in verschiedenen Musikzentren der ehemaligen DDR. In Anerkennung des gewachsenen Leistungspotentials erhielt das Ensemble 1981 seinen heutigen Namen Neubrandenburger Philharmonie.

Romely Pfund übernahm anschließend die Chefposition - sie war zu diesem Zeitpunkt die erste deutsche Dirigentin mit einem eigenen Orchester! Mit viel Elan initiierte sie Benefizkonzerte zugunsten des Wiederaufbaus der Marienkirche als Konzertstätte sowie die CD-Reihe „Hofmusik in Mecklenburg“.
Gleich nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten begann die Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk Köln und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit Konzerten in der Reihe „Grundton D“. Die Philharmoniker gastierten nun auch beim Schleswig-Holstein Musik Festival, in Bonn, Brüssel und Baden / bei Wien.
Neben der Konzerttätigkeit in Neubrandenburg und in zahlreichen Abstecherorten Mecklenburg-Vorpommerns wurde 1994 die Bespielung des Neustrelitzer Landestheaters eine große Herausforderung für das Orchester, das bisher ausschließlich im sinfonischen und kammermusikalischen Bereich tätig war. Die gute erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Bühne war eine günstige Voraussetzung für die Fusion beider Einrichtungen mit dem Kammertheater Neubrandenburg zur Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg / Neustrelitz, die 2000/ 01 aus Gründen der Wirtschaftlichkeit erforderlich wurde.
Prof. Nicolás Pasquet, der 1996 Chefdirigent der Neubrandenburger Philharmonie wurde, setzte die CD-Reihe „Hofmusik in Mecklenburg“ fort und produzierte für das renommierte Label Naxos außerdem Fagottkonzerte von Danzi und Rosetti mit dem Orchester. Seine internationalen Kontakte ermöglichten eine Spanien-Tournee. Unter Pasquets Leitung entwickelten sich die Baustellenkonzerte in Kooperation mit dem gleichnamigen Initiativkreis in der Neubrandenburger Marienkirche zu überregionalen musikalischen Höhepunkten, die vom DeutschlandRadio Berlin übertragen wurden. Mit der Eröffnung des Sakralbaus als Konzertkirche hat die Neubrandenburger Philharmonie die lang ersehnte würdige Spielstätte erhalten und die gesamte Region ein kulturelles Zentrum von internationaler Ausstrahlung.

Von 2001 bis 2015 leitete Stefan Malzew als Generalmusikdirektor und Chefdirigent die Neubrandenburger Philharmonie. Zu einem besonderen Highlight von überregionaler Ausstrahlung haben sich die von ihm begründeten Neubrandenburger Konzertnächte entwickelt, die jeweils unter einem bestimmten Motto stehen. Musiziert wird in der Regel bis gegen Mitternacht. Zwei Pausen mit einem für Konzertbedingungen großen gastronomischen Angebot sorgen dafür, dass die Besucher den musikalischen Marathon entspannt genießen können. Dass die mehrstündige Veranstaltung nicht langweilig wird, garantiert allein schon die unterhaltsame Moderation von GMD Stefan Malzew, der sich immer wieder als exzellenter Entertainer erweist. Das Programm involviert sinfonisches und kammermusikalisches Repertoire. Außergewöhnliche Konzepte sind für die Konzertnächte die Regel - die Philharmoniker arbeiteten beispielsweise mit einem DJ zusammen, es gab Tanz- und Filmeinlagen, eine Aufführung von Ligetis Poème Symphonique für 100 Metronome und Skrjabins „Prometheus“ mit Lichtregie. Malzew initiierte u. a einen einzigartigen Beethoven-Zyklus. Innerhalb einer Konzertnacht gelangte jeweils eine Sinfonie des Maestros zweimal zur Aufführung: einmal in moderner Lesart, dargeboten von den Neubrandenburger Philharmonikern, ein weiteres Mal historisch, auf alten Instrumenten gespielt von Concerto Brandenburg. Unter dem Motto „Unterwegs zum Olymp“ musiziert die Neubrandenburger Philharmonie regelmäßig mit Musikschülern und jungen Preisträgern. Das Orchester gastierte u. a. in Belgien, Spanien und Polen. 2009 gaben die Neubrandenburger ihr viel beachtetes Debüt in der Berliner Philharmonie. Im Juni 2011 führten die Neubrandenburger Philharmoniker, unter der Leitung von Stefan Malzew gemeinsam mit Jonas Kaufmann und Margarete Joswig, Mahlers „Lied von der Erde“ bei den Musikfestspielen Saar auf.

Seit Beginn der Konzertsaison 2015/16 ist Sebastian Tewinkel GMD und Chefdirigent der Neubrandenburger Philharmonie.